Von Wien nach Almaty und zurück - Interview mit Charlotte Wittich und Jessica Ekrt (EHV Sabres Wien)

05 November 2019
Teamausflug zur Zenkov Cathedral EHV Sabres Wien

(Tim Sinzenich) Der EHV Sabres Wien hat Neuland beschritten: Erstmals in der Geschichte der European Women‘s Hockey League (EWHL) wurden zwei Spiele auf asiatischem Boden in der kasachischen Metropole Almaty ausgetragen. Und damit hatte die Mannschaft von Aisulu Almaty ihre ersten beiden EWHL-Heimspiele überhaupt. Wir haben Team-Captain Charlotte Wittich und Torfrau Jessica Ekrt zu ihren Erlebnissen auf ihrer viele tausend Kilometer weiten Reise befragt.

Man fliegt nicht mal so eben von Wien nach Almaty. Wie ist es zu dieser ungewöhnlichen Auswärtstour gekommen?
Charlotte Wittich:
Aisulu Almaty ist mittlerweile seit 5 Saisons in der EWHL, und wir wollten den Mädels die Chance geben, auch mal vor heimischem Publikum zu spielen. Nach langem Überlegen wurde dann auf Vorstandsebene entschieden, dieses Abenteuer anzutreten.

Wie lange wart Ihr dort, und was konntet Ihr außer Eishockey zu spielen dort noch unternehmen?
Charlotte Wittich:
Die Reise begann am Donnerstagabend in Wien, am Freitag in der Früh kamen wir am „Almaty Airport“ an, Zeitverschiebung: 4 Stunden. Nach einem kurzen Frühstück hatten wir ein paar Stunden um uns auszuruhen, ehe es das erste Mal in die Eishalle für ein lockeres Training ging.
Am nächsten Tag stand ein kleiner Ausflug in die Stadt auf dem Programm, den wir gleich als Aktivierung vor dem ersten Spiel nutzen konnten. Anpfiff war jeweils um 17 Uhr, also war an beiden Tagen ausreichend Zeit, um auch etwas abseits der Eishalle zu unternehmen. Die Spannung war groß, da ja im Vorfeld rund 1.000 Zuschauer angekündigt wurden.
Am Sonntag ging es als Vormittagsprogramm mit der Gondel auf den Berg. Nach dem zweiten Spiel blieb nicht mehr viel Zeit, da wir bereits am Montag um 5:30 Uhr die Heimreise antraten.

Derartig weite Entfernungen mögen in der russischen KHL und WHL Alltag sein, in der EWHL sicher nicht. Wieviel hat das Ganze gekostet, und wie finanziert Ihr das?
Jessica Ekrt:
Die Reise hat insgesamt 12.400 Euro gekostet. Davon hat Almaty 3.000 Euro für die Unterkunft übernommen. Der Verein hat „nur” die Flugkosten in Höhe von 9.400 Euro übernommen. Um die Kosten zu decken, haben wir die Kampagne „I Believe In You“ (IBIY) gestartet, um Geld für die Reise zu sammeln. Wir haben uns für IBIY entschieden, weil jeder eine Gegenleistung bekommt. Für 15 Euro bekommt man einen Sabres-Puck, für 30 Euro eine Sabres-Kappe usw. Meiner Meinung ist die beste Gegenleistung ein Schnuppertraining mit den Sabres für 200 Euro oder die Sabres-Handschuhe für 300 Euro.
Wir möchten uns jetzt schon mal bei allen bedanken, die was gespendet haben und freuen uns über weitere Spenden.

Dann nennen wir unten gerne die Adresse Eures Crowdfunding-Projekts!
Mit zweimal 0:1 war es für Almaty ein Sechs-Punkte-Wochenende. Im ersten Spiel waren 800 Zuschauer dabei. Wie hast Du / habt Ihr die Spiele erlebt?
Charlotte Wittich:
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Mannschaft gute Spiele abgeliefert hat. Natürlich hatten wir nicht unsere stärkste Besetzung, da einige Spielerinnen aus schulischen oder beruflichen Gründen nicht dabei sein konnten.
Die Organisation der Spiele war spitze! Almaty hat sich wirklich Mühe gegeben, uns die besten Voraussetzungen zu schaffen.

Würdet Ihr eine solche Tour noch einmal unternehmen?
Jessica Ekrt:
Die Reise war sehr außergewöhnlich und aufregend, jedoch denke ich nicht, dass wir solch eine Reise nochmal antreten werden, nachdem es für den Verein und die Spielerinnen ein hoher finanzieller Aufwand war. Trotzdem bin ich froh, dass ich bei den ersten EWHL-Spielen in Kasachstan dabei sein durfte. Falls es aber doch ein nächstes Mal gibt, erwarte ich mir eine Rückkehr mit allen Punkten.

Und noch eine Frage zum EWHL-Supercup. Ihr habt ihn mehrere Male gewonnen und seid amtierender Titelverteidiger. Bereits jetzt steht fest, dass Ihr die Final Four (Halbfinale) verpassen werdet. Was sind die Gründe?
Jessica Ekrt:
Sicherlich waren wir nach den ersten 3-4 Spielen ein bisschen mit dem Rücken an die Wand, das Team hat, bis auf das Spiel gegen Planegg, gut gespielt. Jedoch wussten wir, dass wir keine Punkte mehr verlieren durften, um weiterhin im Rennen zu sein, was uns vielleicht ein bisschen unter Druck gesetzt hat. Unsere jungen Spielerinnen haben sich super ins Team integriert und nächstes Jahr werden die Sabres sicher noch stärker in den Supercup zurück kommen als in den Jahren davor.

Wenn Ihr die Sabres-Frauen unterstützen möchtet, könnt Ihr dies auf der IBIY-Projektseite "Nach Asien und wieder zurück" tun. Dort findet Ihr alle Informationen.

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