"Wir waren natürlich ekstatisch aber auch überrascht" - Interview mit Gesa Dinges (KEC-Frauen)

27 Mai 2020
Lindenbeck / KEC-Frauen

(Interview) (Tim Sinzenich) KEC-Stürmerin Gesa Dinges hat im Laufe ihrer Eishockeykarriere bei einigen Vereinen in Nordrhein-Westfalen und im U18-Nationalteam gespielt. Seit 2017 spielt sie bei den KEC-Frauen, die kürzlich ihren Bundesliga-Aufstieg bekanntgegeben haben. Im Interview blickt sie auf die letzten Wochen zurück und in die Zukunft. Und stellt ein Crowdfunding-Projekt der KEC-Frauen vor, welches der Finanzierung der Bundesliga-Teilnahme und weiterer Eiszeiten für die KEC-Spielerinnen in allen Ligen dient.

Gesa, Ihr habt am 8. März am vorletzten Spieltag der 2. Liga Nord mit dem 1:1 gegen Grefrath die Meisterschaft vorentschieden. Und da dies Euer letztes Heimspiel war, in der eigenen Halle gefeiert. 2018 habt Ihr auswärts in Mechelen fünf Sekunden vor dem Ende die Meisterschaft entschieden. Welcher Titel war schöner für Dich?

Gesa Dinges: Es ist natürlich immer schön, eine Meisterschaft zu gewinnen. Die Meisterschaft der Saison 19/2020 war allerdings ein Highlight, da viele unserer Fans und Unterstützer mit uns den Erfolg auf heimischen Eis zelebrieren konnten.

Am 11. März wurden alle Eishockeywettbewerbe beendet. Keine Playoffs bei den Männern, die Finalserie in der Frauenbundesliga nach einem Spiel abgesetzt und viele weitere nicht ermittelte Meister. Welchen Stellenwert bekommt der Titel dadurch für Dich?

Gesa Dinges: Ich bin einerseits froh, dass wir unsere Saison mehr oder weniger beenden konnten, aber ich habe Mitleid mit all denen, die noch bis zum Ende ihr Bestes geben wollten, es aber nicht konnten.

Vor kurzem hat der KEC-Vorstand grünes Licht für die Teilnahme an der Frauenbundesliga gegeben. Wie sehr war dies nochmal ein zusätzlicher Moment der Freude, gerade auch im Hinblick auf die Corona-Krise, in der alle Eishallen für Euch geschlossen sind?

Gesa Dinges: Um ehrlich zu sein haben viele von uns zu dem Zeitpunkt nicht mehr damit gerechnet. Also waren wir natürlich ekstatisch aber auch überrascht. Es war auf jeden Fall neue Motivation für meine Isolations-Workouts.

Du hast schon in einigen NRW-Vereinen gespielt, zum Beispiel Ratingen, Bergisch Land und beim EC Bergkamen. Bei letzterem hast Du bereits Bundesliga-Erfahrung gesammelt. Wo liegen die Unterschiede zwischen der 2. Liga Nord und der Bundesliga?

Gesa Dinges: Tempo. Wir werden mit und gegen die besten Spielerinnen Deutschlands spielen, da bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken.

Die ersten Jahre warst Du Verteidigerin und bist dann in den Sturm gewechselt. Wie kam es dazu?

Gesa Dinges: Um ehrlich zu sein kann ich mich daran nicht erinnern. Ich fing mit Eishockey als 8-Jährige in Kanada an. In meiner ersten Saison habe ich zu jedem Spiel einen linken und einen rechten Schläger mitgenommen, weil ich mich nicht entscheiden konnte was mir mehr liegt. Ich denke, dass diese Art von Flexibilität meine Karriere begleitet hat.

Ihr seid mit etwa 80 Spielerinnen plus Laufschule der größte Fraueneishockeyverein in Deutschland. Welche Auswirkungen hat die Teilnahme an der Bundesliga auf Eure anderen Teams, die in der 2. Liga Nord, Landesliga NRW und Bezirksliga NRW vertreten sind?

Gesa Dinges: Unser erstes Bundesliga Team wird in Köln und NRW mehr Bewusstsein für den Sport verbreiten. Einerseits wird das mehr Frauen in unsere Laufschule und den Nachwuchs bringen (Ihr seid jederzeit willkommen!), anderseits hoffen wir natürlich auf mehr Sponsoring, welches uns ermöglichen wird, zum Beispiel Trainingszeiten zu erwerben. Das wird allen Teams zugute kommen.

Nicht nur sportlich wird die Bundesliga eine Herausforderung, auch finanziell. Ihr habt Euch eine besondere Form ausgedacht, um Reise- und Hotelkosten für die Bundesliga einerseits, aber auch mehr Eiszeiten für die Spielerinnen in allen Teams zu finanzieren. Kannst Du uns das einmal beschreiben?

Gesa Dinges: Im Moment sind wir auf der Suche nach neuen Sponsoren, die einerseits uns als Leistungssportlerinnen unterstützen und auch den Standort Köln ausbauen wollen. Wir sehen das nicht als Einbahnstraße, sondern hoffen durch unsere Mitarbeit bei verschiedenen Events in Köln und durch Medienrepräsentation alle voranzubringen. Ein Projekt, das wir im Moment stark verbreiten, ist das Toyota Crowdfunding. Da erhoffen wir uns, durch Toyotas Unterstützung genug Geld zusammen zu bekommen, um unsere nächsten Saisons zu finanzieren.

Kann Euch dort jeder Haie-Fan und alle, die das Fraueneishockey supporten möchten, unterstützen?

Gesa Dinges: Beim Toyota Crowdfunding kann jede Person uns unterstützen. Jeder Betrag bringt uns weiter. Allerdings ist das nicht der einzige Weg. Falls jemand Sachspenden oder Mittel für bestimmte Zwecke spenden möchte ist das auch machbar.

Dann verlinken wir hier direkt zur Toyota Crowd für alle, die Euch unterstützen möchten. Vielen Dank und alles Gute für die Bundesliga!
Mission: Frauenbundesliga

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