Interview mit Markus Schubert, neuer Ligenleiter der Frauen-Bundesliga

02 Juli 2020
Markus Schubert DEB

(Interview) (Tim Sinzenich) Nach mehreren Jahren hat Marion Herrmann die Leitung der Frauen-Bundesliga abgegeben. Wir sprechen mit ihrem Nachfolger Markus Schubert unter anderem über die Zukunft der Liga, die Corona-bedingten Herausforderungen an Saisonplanung und Spielbetrieb und stellen eine Frage natürlich zu Beginn.

Markus, Marion Herrmann ist nicht mehr Ligenleiterin, Wird sie dem Fraueneishockey erhalten bleiben?

Markus Schubert: Marion hat über Jahre eine sehr gute Arbeit als Ligenleiterin gemacht und bleibt dem DEB zum Glück als Frauenbeauftragte und als Mitglied im Satzungssauschuss erhalten.

Werfen wir einen Blick auf die beiden letzten Spielzeiten der Frauenbundesliga zurück. Die Saison 2018/19 fand mit acht Teams statt. Hannover hatte sich anschließend dazu entschieden, in der 2. Liga Nord anzutreten, und kein Team rückte nach, so dass sieben Teams in die vergangene Saison starteten. Dann gab es im Dezember nach dem Rückzug der Frauenmannschaft der Düsseldorfer EG nur noch sechs Teams.
Mit den KEC-Frauen, die ihr Aufstiegsrecht wahrnehmen, werden in der kommenden Saison wieder sieben Vereine am Start sein. Wie viele sollen nach Vorstellung des DEB dauerhaft am Ligenspielbetrieb teilnehmen?

Markus Schubert: Eine Liga mit einer ungeraden Anzahl an Mannschaften ist natürlich alles andere als optimal, da immer eine Mannschaft spielfrei hat. Das wissen wir. Unser Ziel beim DEB ist und bleibt deshalb, spätestens zur Saison 2022/2023 wieder mindestens acht Mannschaften in der Frauen-Bundesliga zu haben.

Seit zwei Jahren gibt es auch in der Frauenbundesliga die Play-offs und Play-downs, unter anderem mit der Begründung, dass die Spielerinnen noch mehr k.o.-Runden wie bei internationalen Turnieren üblich absolvieren. Bei einer ungeraden Zahl an Vereinen bleibt bei einem klassischen Halbfinale und Playdowns aber ein Team übrig. Oder gibt es einen anderen Modus in der kommenden Saison, um dieses knifflige Problem anzugehen?

Markus Schubert: Für die Saison 2020/2021 ist der Modus der letzten Saison geplant. Leider konnten wir in der letzten Saison die Platzierungsrunde, die sogenannte Play-downs, zwischen den Plätzen fünf bis sieben nur mit zwei Mannschaften spielen, da die Düsseldorfer EG ihre Mannschaft zuvor schon vom Spielbetrieb zurückgezogen hatte. Wir hoffen, dass uns während der Saison diesmal alle sieben Teams der Frauen-Bundesliga erhalten bleiben und wir die weiterführenden Runden wie Play-offs und Play-downs wie geplant spielen können.

Muss bei einer 7er-Liga der Tabellenletzte absteigen, wenn ein Zweitligateam aufsteigen darf und möchte - oder wird der Abstieg ausgesetzt, bis es eine 8er-Liga gibt?

Markus Schubert: Nach aktuellen Planungen soll der Letzte der Platzierungsrunde nicht absteigen, da dies sich sonst kontraproduktiv zu unseren Absichten verhalten würde. Dann müssten wir im Gegenzug zwei Mannschaften aufsteigen lassen, um auf unsere gewünschte Teamanzahl zu kommen. Sobald eine 8er-Liga stabil existiert, soll es auf jeden Fall einen geregelten Auf- und Abstieg geben, denn dies ist ein absolutes Herzstück im deutschen Eishockeysport.

Der Saisonstart ist für den 17. Oktober geplant, der Beginn der Play-offs für den 27. Februar und der des Finales für den 13./14. März. Wie viel Zeitpuffer gibt es während und nach der Saison, falls es Corona-bedingt zu Problemen kommt?

Markus Schubert: Wir haben bis zum Beginn der Play-offs und der Platzierungsrunden 30 verfügbare Spieltage jeweils an den Wochenenden. Davon brauchen wir bei einer Doppelrunde aufgrund des 8er-Schlüssels mindestens 28 Spieltage. Sollten wir später starten, gibt es Überlegungen und Szenarien, wie wir beide fortführenden Runden beenden könnten – eine Lösung wären Entscheidungsturniere jeweils an einem Wochenende. Viel Puffer nach hinten gibt es leider nicht, da anschließend umgehend die Vorbereitung auf die WM in Kanada (7. bis 17. April) beginnt.

Der DEB arbeitet intensiv an einem Hygienekonzept. Nehmen wir an, dass für Spielerinnen, Offizielle und das Personal alles behördlich genehmigt ist, aber bei den Zuschauerzahlen Beschränkungen vorgegeben sind. Sind im Frauen- und Nachwuchsbereich aufgrund der deutlich geringeren Abhängigkeit von Zuschauereinnahmen Geisterspiele denkbar? Werden diese dann per Livestream übertragen?

Markus Schubert: Stand jetzt hoffen wir, dass wir in allen DEB-Ligen mit Zuschauern spielen dürfen. Die Spiele per Livestream zu übertragen, wäre natürlich eine grandiose Sache. Wir haben allen Vereinen bereits eine Empfehlung ausgesprochen, ihre Spiele aufzunehmen und zu übertragen.

In der letzten Saison wurde die Finalserie zwischen Planegg und Memmingen nach dem ersten Spiel abgebrochen. Welche Vorkehrungen werden in der Zukunft getroffen, um in einem solchen Fall doch noch einen deutschen Meister ermitteln zu können?

Markus Schubert: Das war leider alles andere als glücklich, aber unvermeidlich. Wir hatten leider keine andere Chance, als dem ESC Planegg lediglich den Titel „Hauptrundensieger der Frauen-Bundesliga“ zu übergeben. Die Durchführungsbestimmungen haben leider nichts Anderes zugelassen, denn dort ist genau definiert, dass nur der Sieger der Play-Off-Finalserie deutscher Meister werden kann. Da diese nicht zu Ende gespielt wurde, konnten wir den Titel leider nicht vergeben. In den Durchführungsbestimmungen 2020/2021 wird es auf jeden Fall einen Passus geben, wonach wir einen deutschen Meister ernennen können, falls die Saison abgebrochen werden muss.

Gibt es ein oder mehrere Ziele, die Du als neuer Ligenleiter für die Frauenbundesliga erreichen möchtest?

Markus Schubert: Ich möchte sehr gerne den Stellenwert des Frauen-Eishockeys verbessern. Leider werden die Frauen-Mannschaften teilweise in den Vereinen nicht richtig wahrgenommen und oft benachteiligt. Da müssen wir ansetzen und überlegen uns daher im DEB, wie wir für die Zukunft diese Probleme beseitigen können Zudem soll die Bewerbung und Vermarktung des Frauen-Eishockey auf allen Ebenen so gut es geht gefördert zu werden, um mehr aktive Spielerinnen, Zuschauer und mögliche Partner zu gewinnen.

Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Dir viel Erfolg und Gesundheit!

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