Interview mit Viona Harrer (U18-Nationaltorwart-Trainerin / Tölzer Löwen)

07 August 2021
Bild: privat

(Interview) (Tim Sinzenich) Viele Jahre spielte Viona Harrer in vielen verschiedenen Teams und Ligen, ob bei den Frauen oder Männern, ob als Torfrau oder als Verteidigerin. Auch heute noch ist die vielseitige Eishockeyspielerin auf dem Eis und an der Bande aktiv. Wir sprachen mit ihr über die letzte Zeit, ihre berufliche Leidenschaft und ihre Pläne.

Viona, Du hast viele Jahre im Männereishockey und beim Frauen-Nationalteam im Tor gestanden. Und warst bis 2017 beim ESC Planegg in der Bundesliga sowohl als Torfrau als auch als Verteidigerin aktiv. Wie kam es zum Wechsel nach Bad Tölz in die Landesliga Bayern und als Kommentatorin beim Livestream der Tölzer Löwen?

Viona Harrer: Im Winter 2016 wurde ich schwanger. Somit war für mich die Bundesliga Saison beendet und auch klar, dass es künftig nicht mehr mein Anspruch sein wird, Bundesliga zu spielen.

Da ich aber gerade großen Gefallen am Feldspieler-Dasein gefunden hatte, wollte ich nach der Schwangerschaft auf alle Fälle weiter Eishockey spielen. Mit Tölz als meinen Heimatklub vor der Tür und einer Frauenmannschaft in der Landesliga war das für mich dann optimal, um trotz Beruf und Familie noch weiter spielen zu können.

Nach der Elternzeit hatte ich dann eine Anstellung bei der Tölzer Eissport Gesellschaft in der Geschäftsstelle angenommen, zu deren Umfang auch das Kommentieren der Spiele der Tölzer Löwen für Sprade TV gehörte. Das Kommentieren hat mir auch wirklich Spaß gemacht.

Zusätzlich warst Du immer wieder im Trainerstab vom Nationalteam tätig. Machst Du in dieser Richtung etwas bei den Löwinnen?

Viona Harrer: Ich habe eigentlich direkt nach meiner aktiven Torhüter-Karriere als Torwart-Trainerin der U18-Frauen begonnen und mache das bis heute noch. Ab und zu unterstütze ich auch bei der A-Frauennationalmannschaft mit einzelnen Einheiten während der Bundeswehrwochen.

Beim EC Bad Tölz bin ich für den kompletten Torhüter-Nachwuchs zuständig. Gelegentlich mache ich auch im Frauenteam Torwarttraining oder übernehme auch mal das Training, wenn unser Head Coach nicht kann. Außerdem helfe ich mit, den Girls Hockey Day durchzuführen, seitdem es ihn in Tölz gibt.

Du hast in vielen verschiedenen Vereinen gespielt. Was würdest Du einer interessierten Nachwuchsspielerin sagen, wenn sie Dich fragt, warum sie in Tölz spielen soll?

Viona Harrer: Heutzutage ist es nicht mehr möglich, oder nur für absolute Ausnahmetalente, mit 14 in der Frauenbundesliga zu spielen. Und auf der anderen Seite wird es gerade in diesem Alter für viele Mädchen bei den Jungs sehr schwer. Da finde ich eben eine ambitionierte Landesligamannschaft zur Entwicklung junger Spielerinnen als Übergang in den Frauenbereich sehr passend.

Wir in Tölz sind ein bunt gemischter Haufen aus jungen und erfahrenen Spielerinnen. Ich denke, bei uns kann eine Nachwuchsspielerin viel Eiszeit sammeln. Einerseits wird sie bei uns selbst Verantwortung übernehmen müssen und trotzdem auch von Spielerinnen, wie Kathrin Heller (ehem. U18-Nationalspielerin) oder auch mir, so hoffe ich zumindest (lacht), noch lernen können.

Generell finde ich ist Bad Tölz ein Standort, welcher eishockeyspielenden Mädchen gegenüber sehr offen ist und viel Potenzial birgt, auch im Frauenbereich in Zukunft ein bekannter Standort zu werden.

So haben wir hier von den Jahrgängen 2009 und jünger über 15 Mädchen in den Nachwuchsteams verteilt. Bad Tölz hat schon in der Vergangenheit viel in die Entwicklung junger Nachwuchsspielerinnen investiert. So haben zum Beispiel einige Tölzer Spielerinnen, wie Janina Fuchs, Jenny Schuster, Sarah Kubicek, Franziska Klinger und Sarah Hoyer zuletzt den Sprung in die Bundesliga geschafft oder sind auf dem Sprung!

Wir haben hier Rahmenbedingungen mit zwei festen Eiszeiten in der Woche, einer festen Kabine, zuverlässigen Trainern und einer überragenden Teammanagerin. Und können meistens auch Kleinbusse zu den Auswärtsspielen stellen, die für den Frauenbereich selbst in der Bundesliga nicht selbstverständlich sind. Zudem trainiert montags der ESC Planegg in Bad Tölz, wo die besseren Spielerinnen aus unserer Landesligamannschaft zuletzt immer wieder mal die Möglichkeit bekommen haben, bei einem Bundesligateam reinzuschnuppern.

Und was gefällt Dir in Tölz besonders gut?

Viona Harrer: Besonders gut gefällt mir in Tölz und bei uns im Team, dass jedes Mädchen oder jede Frau die Lust hat Eishockey zu spielen, mit offenen Armen und Respekt empfangen wird - unabhängig vom Leistungsstand.



Wir haben noch das Bild von Dir bei der U18-WM Anfang 2020 in Füssen vor Augen, unterm Dach mit Deinem Tablet aufmerksam die Spiele verfolgend und in die Analyse vertieft. Wenige Wochen danach war bekanntermaßen im Eishockey erstmal lange Schluss. Wie ging es nach diesem tollen Start mit dem U18-Aufstieg für Dich weiter?

Viona Harrer: Tja was soll ich sagen, eishockeymäßig war leider echt nicht mehr viel geboten. Natürlich unglaublich schade, dass die anstehende U18 Top Division nicht stattfinden konnte. Aber wir hatten im Oktober zumindest noch die Möglichkeit, ein DEB Goalie-Camp für U16- und U18-Torhüterinnen durchzuführen, was sowohl für uns Torwarttrainer als auch die Torhüterinnen eine super Sache war! Und ansonsten muss ich ganz ehrlich sagen habe ich persönlich es privat auch einfach mal genossen, mehr Ruhe zu haben, mich mehr mit mir selbst beschäftigen zu können. Und habe mich in dieser Zeit beruflich neu orientiert.

Also geht es mit Dir in Sachen Coaching beim DEB weiter?

Viona Harrer: Der Plan ist, dass das so weiter läuft wie bisher.

Ende 2020 hast Du dem Münchner Merkur ein Interview gegeben, der Dich in der Backstube in Aktion zeigte. Dort wirst Du zitiert mit „Nach meiner sportlichen Tätigkeit habe ich gemerkt, dass ich im Büro eher unglücklich bin.“ Ist es die im Vergleich zum Bürojob körperliche Arbeit, dass man den Kopf eher frei bekommt, oder etwas anderes, was Du am Backen magst?

Viona Harrer: Ja, mir sagt das körperliche Arbeiten schon sehr zu. Ich brauche das einfach, eine gewisse tägliche körperliche Auslastung…

Am Backen ist aber auch schön, dass man wirklich fertig ist, wenn die Arbeit in der Backstube getan ist. Man nimmt nur selten Arbeit in den nächsten Tag mit. Das ist im Büro oft ganz anders. Da liegen Sachen Wochen oder auch Monate lang auf dem Tisch - Papier ist geduldig… So was stresst mich, ich bin leider nach wie vor kein geduldiger Mensch - denke ich.

Aber auch die Beschäftigung mit Nahrungsmitteln, der gute Geruch, der warme Arbeitsplatz, das ständige Wurschteln und Wuseln, das „Handwerksgefühl“: das sind Dinge, die mir am Backen sehr gefallen.

Dann wünschen wir Dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg und bedanken uns für das Gespräch.

Wenn Ihr Interesse habt, die Tölzer Löwinnen näher kennenzulernen, ist der Girls Hockey Day am Sonntag, 15. August eine ideale Gelegenheit. Von 10:00 bis 11:15 könnt Ihr die Schlittschuhe schnüren und alles was zum Eishockey gehört ausprobieren und Spaß haben. Fortgeschrittene können im Anschluss am Mannschaftstraining teilnehmen. Bitte meldet Euch hierzu bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an, wo Ihr auch gerne Eure Fragen loswerden könnt. Weitere Infos findet Ihr im Flyer in der Mitte dieses Artikels.

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    DEB Logoeishockey-online.com ist Partner & Sponsor des DEB und vermarktet die Original Gameworn Eishockeytrikots der Nationalmannschaft, welche im SHOP verfügbar sind.

     

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