Frauen-Nati unterliegt trotz Leistungssteigerung 0:5 gegen Kanada

25 August 2021
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(Tim Sinzenich) Ihre dritte Niederlage im dritten Spiel mussten die Spielerinnen mit dem Schweizer Kreuz gegen Kanada hinnehmen, trotz deutlicher Leistungssteigerung gegenüber der vorherigen Partie.

Wie gegen die USA ging es gleich rasant zur Sache. Kanada in den ersten Minuten mit mehr Spielanteilen, doch die Schweiz hielt dagegen und war bestrebt, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen. Eine erste numerische Chance ergab sich in der 5. Minute, als eine Kanadierin Bekanntheit mit der Strafbank machte. Die Frauen-Nati zeigte ein entschlossenes Powerplay mit ständigem Drang zum Tor und Beschäftigung für die kanadische Defensive.

Es blieb beim 0:0. Kanada erhöhte den Druck bei Gleichzahl wieder und wurde gefährlicher, doch spätestens bei der erneut starken und souveränen Andrea Brändli war Schluss. In der Drittelmitte musste die Schweiz erstmals für zwei Minuten auf eine Spielerin verzichten. Kanada drängte und drängte auf die Führung, doch die Frauen-Nati versuchte, ihre Gegnerinnen außen zu halten. Und wenn nicht, war da noch Andrea Brändli. Diese war mehr und mehr gefordert, denn die Spielanteile verlagerten sich zunehmend zu den Ahornblättern.

Doch selbst in der 15. Minute währte die Freude der Kanadierinnen auf vermeintliche Führung nur kurz, denn Marie-Philip Poulin traf nicht richtig. Knapp fünf Minuten vor Drittelpause setzte Phoebe Stänz zum Sprint an, hielt den Puck hartnäckig im Angriffsdrittel, so dass Sarah Forster zum Schlagschuss ausholte, der aber am Tor vorbei ging. Zwei Minuten später gab es das zweite Powerplay für die Eidgenossinnen nach einem Foul an Evelina Raselli, welche ihre gegnerische Torfrau mit einem guten Schuss prüfte. Die letzten zwei Minuten bei Gleichzahl verlief die Partie wieder etwas ausgeglichener. Am Ende des Drittels 5:21 Torschüsse zugunsten Kanadas, der Spielstand aber 0:0.

Der Mittelabschnitt bot anfangs zwei gute Chancen für die Kanadierinnen, die ein Powerplay zugesprochen bekamen. Doch trotz guter Schüsse hieß es zunächst weiterhin: Endstation Andrea Brändli. Direkt im Anschluss ein Powerplay für die Schweiz, das stark begann, doch nachdem Phoebe Stänz von zwei Kanadierinnen bedrängt wurde, konnten diese die Scheibe erobern, und die Ahornblätter schalteten blitzschnell auf Angriff um. Blayre Turnbulls Rückhand traf zwar nur den Pfosten, doch den Abpraller staubte Emily Clark zum 0:1 ab. Zwei Minuten später bewahrte das Lattenkreuz vor einem höheren Rückstand.

Freuten sich alle Schweizer Fans zu später Stunde weitere zwei Minuten danach über eine starke Offensivszene, switchte Kanada erneut blitzschnell um, und Jamie Bourbonnais beförderte den Puck links an Andrea Brändli vorbei ins Tor. Die 30. Minute hatte noch eine weitere Packung parat, als die in Schwarz-Weiß-Rot spielenden Kanadierinnen im Schweizer Drittel die Scheibe eroberten und Natalie Spooner einen Distanzschuss von Melodie Daoust eintippte. Letztere sollten die Schweizerinnen in diesem Spiel noch weitere Male nicht in allzu guter Erinnerung behalten.

Die Kanadierinnen machten weiter Druck und waren das spielbestimmende Team, wenn die Eidgenossinnen aber mal auf das Tor schossen, dann in guter oder sehr guter Qualität, zum Beispiel der Schlagschuss von Phoebe Stänz in der 34. Minute.

Dreieinhalb Minuten vor Drittelpause war besagte Melanie Daoud mit dem Eintippen an der Reihe und erhöhte auf 9:43 Torschüsse beziehungsweise 0:4. Derweil musste Shannon Sigrist nach einer Kollision an der Bande das Eis verlassen.

Eine Riesenchance hatte eine halbe Minute vor dem Pausenpfiff Lara Stalder, die einen Puck abfing und auf Kanadas Torfrau Emerance Maschmeyer zulief, an der es allerdings kein Vorbeikommen gab.

Der kanadische Torhunger war noch lange nicht gestillt, und nur wenige Sekunden nach Beginn des letzten Abschnitts war Jamie Rattray vor Andrea Brändli, doch diese parierte. Keine Minute später ein Vorstoß der Schweiz, aber mit kanadischem Break. Melodie Daoud nahm wieder die Rolle als Vorlagengeberin ein, während Natalie Spooner vor Andrea Brändli unhaltbar zum 0:5 abfälschte. Trotz starker Leistung mit zu diesem Zeitpunkt 40 gehaltenen Schüssen verließ Brändli zugunsten von Saskia Maurer das Gehäuse.

Doppeltes Powerplay für die Frauen-Nati, doch die Kanadierinnen verteidigten sehr gut und ließen keine wirklich gefährlichen Gelegenheiten zu. Starspielerin Marie-Philip Poulin bekam dabei einen Schlagschuss aus kurzer Distanz am Oberkörper ab und musste vom Eis.

Es folgte doppeltes Powerplay für Kanada, doch auch die Schweiz machte, wie schon in allen bisherigen Unterzahlen, einen guten Job. Kanada kam lediglich zu einer guten Gelegenheit.

Mit einem tollen Move prüfte Evelina Raselli in der Mitte des Drittels Maschmeyer, doch diese parierte stark mit dem Schoner.

Die Torschüsse und Chancen waren weiterhin klar auf Seiten der Nordamerikanerinnen, aber die Frauen-Nati ließ sich nie hängen und wehrte sich nach Kräften. Kanadas Victoria Bach konnte sie zwar auskontern, doch der Pfosten rettete.

Je eine Überzahl am Ende bei zeitweisem 4 gegen 4 konnten beide Teams nicht nutzen. Daoud brachte den Puck am Schluss fast noch einmal unter, doch er passierte nicht die Linie. Und so blieb es beim 0:5, und Saskia Maurer musste in ihrer Eiszeit keinen Gegentreffer hinnehmen..

Zur besten Schweizer Spielerin wurde Lara Christen gewählt.

Nach dem Spiel befragten wir Lara Stalder und Lara Christen.

War Dein Eindruck, dass die Kanadierinnen im zweiten Drittel richtig aufgedreht haben oder gibt es für Dich eine andere Erklärung, warum Ihr im ersten Drittel kein Tor kassiert habt und danach einige?
Lara Stalder:
Nein gar nicht, ich denke wir haben es ihnen auch ein bisschen gegeben. Wir hatten ja ein Powerplay, und dann haben sie einen Shorthander gemacht. Ich glaube das war der Wendepunkt. Ich habe jetzt nicht mega auf die Kanadierinnen geschaut. Ich denke, die haben 60 Minuten ihr Hockey gespielt, und wir haben versucht mitzuhalten. Ein paar Minuten waren wir nicht aufmerksam, dann kamen die Tore über. Und sonst war das erste und dritte Drittel super. Im Mitteldrittel hatten wir ein bisschen ein Down.

Man hatte den Eindruck, dass es oft auch Kontertore waren, nachdem Ihr kurz vorher stark Druck gemacht habt. Habt Ihr in diesen Druckphasen defensiv etwas mehr riskieren und zugunsten von Torchancen etwas mehr öffnen müssen, und haben die Kanadierinnen dies eiskalt ausgenutzt?
Lara Stalder:
Ich finde nicht unbedingt. Wenn wir diese Chancen packen, dann sieht es anders aus. Wir hatten gute Chancen, und sie sind sehr offensiv aufgestellt. Wenn wir die Scheibe rausgebracht hatten, konnten wir gut kontern und hatten gute Chancen. Manchmal war es ein bisschen unglücklich, dann ist noch ein Schlittschuh irgendwie auf den Stock gefallen und auch abgelenkt. Die Tore die sie gemacht haben, waren nicht unbedingt schön herausgespielt und mega riesen Tore, sondern auch ein bisschen Glück.

Im nächsten Spiel wird es ein kleines Revival der Finalserie der ZSC Lions Frauen gegen die Hockey Club Ladies Lugano geben, weil ja auch eine gewisse Michelle Karvinen auf dem Eis stehen wird. Freust Du Dich darauf, es ihr dann dieses Mal richtig zu zeigen?
Lara Christen:
Ja sicher freue ich mich auf dieses Spiel. Es wird unser letztes Gruppenspiel sein, und da wollen wir noch alles rausholen was wir können. Und ich denke wir sind in einem guten Prozess. Wir werden von Spiel zu Spiel besser und werden für das Kreuz spielen. Egal ob Zürich oder was auch immer: Jetzt geht es um das Kreuz, und für das geben wir alles.

Schweiz – Kanada 0:5 (0:0, 0:4, 0:1)

Tore:
0:1 (25:04) E. Clark (B. Turnbull)
0:2 (29:38) J. Bourbonnais (J. Rattray, M.-Philip Poulin)
0:3 (29:55) N. Spooner (R. Fast, M. Daoust)
0:4 (36:34) M. Daoust (E. Ambrose, S. Fillier)
0:5 (41:01) N. Spooner (E. Sheltoin, M. Daoust)

Strafminuten:
Schweiz 12 (2/4/6), Kanada 12 (4/2/6)

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