Schweiz verpasst Bronze-Coup gegen Finnland

31 August 2021
Screenshot SRF

(Tim Sinzenich) Mit einer 3:1-Niederlage gegen den Vizeweltmeister von 2019 verließen die Schweizer Spielerinnen enttäuscht und mit Tränen das Eis. Auch wenn es an offensiver Durchschlagskraft mangelte, ist eine Entwicklung erkennbar. Und die Frauen-Nati kann dennoch stolz auf das bisher Erreichte sowie die Leistungssteigerung und Moral der noch jungen Truppe sein.

Für das Spiel um Bronze, das 200. von Stürmerin Evelina Raselli, setzte Coach Colin Muller wieder auf Saskia Maurer im Tor. Den ersten Torschuss feuerte die Schweiz ab, doch es waren nur gut anderthalb Minuten vergangen, als Tanja Niskanen erstaunlich frei mit einem wohlplazierten Schuss Finnland in Führung bringen konnte.

Und die erste Hälfte des Drittels gehörte weitgehend den Blauen aufgrund häufigerer und gefährlicherer Angriffe. Mit dem Forechecking der Skandinavierinnen tat sich die Schweiz schwer. Doch nach einigen Minuten waren die Eisgenossinnen im Spiel angekommen, mischten auf Augenhöhe und mit Zug zum finnischen Tor mit. In der letzten Minute konnte Saskia Maurer eine Großchance der nach einem Bully blitzschnell allein nach vorne ziehenden Michelle Karvinen entschärfen und den 1:0-Pausenstand sichern.

Die Finninnen untermauerten ihre Lust auf frühe Tore nach der Eisbereitung mit einem Schlagschuss von Ella Viitasuo, dieses Mal war das Drittel noch keine Minute alt. Und es brannte weiter teils lichterloh vor dem Schweizer Tor. Doch in dieser Druckphase schaltete Phoebe Stänz nach einem in ihre Richtung abprallenden Puck blitzschnell und zog mit Lara Stalder nach vorne. Diese konnte nach Stänz‘ Pass in Ruhe Maß nehmen und haute den Puck rechts an der finnischen Keeperin vorbei ins Netz zum umjubelten 2:1-Anschlusstreffer.

Das erste Powerplay überhaupt in dieser insgesamt von beiden Seiten fair geführten Partie wurde in der 28. Minute der Schweiz zugesprochen, die gute Schüsse aufs finnische Tor brachte. Kurz darauf ein starker Sprint von Lena Marie Lutz, die sich eine sehr gute Chance erarbeitete. Die Skandinavierinnen aber mit deutlich mehr Torschüssen, Saskia Maurer war immer wieder gefordert.

Die erste Schweizer Unterzahl setzte es in der 33. Minute, da die Unparteiischen auf zu viele Spielerinnen auf dem Eis entschieden. Doch die Defensive hielt dem finnischen Powerplay stand. Kurz nach Ablauf dafür eine Großchance von Lara Christen und ein Schlagschuss von Lara Stalder. Die Finninnen zogen immer wieder blitzschnell vor das Schweizer Tor. Und leider auch beim Déjà-vu in der 39. Minute, als erneut ein knapper Wechselfehler der Schweiz beanstandet wurde. Keine sechs Sekunden später war Saskia Maurer bei einem abgefälschten Schlagschuss machtlos nach einer zuvor starken Phase ihres Teams. So brutal kann Eishockey sein. Entmutigen ließen sich die Eisgenossinnen davon nicht und hielten weiter dagegen.

Im Schlussabschnitt kurz nach Beginn ein starkes finnisches Powerplay, welches aber nichts Zählbares ergab. Die Frauen-Nati versuchte nach Kräften, in die Offensive vorzudringen, doch gegen die taktisch und läuferisch starken Finninnen war das sehr schwer.

Zur Drittelmitte zwei tolle Aktionen von Sinja Leemann und Phoebe Stänz, die beide die finnische Schlussfrau herausforderten. Mehr und mehr entwickelte die Partie sich zum offenen Schlagabtausch, und die Frauen-Nati investierte alles nach vorne und belohnte sich wenn auch nicht mit Toren, so doch zumindest mit einer Reihe guter Chancen und sehenswerter Aktionen.

Eine Unterzahl dreieinhalb Minuten vor dem Ende machte es nicht eben einfacher, und die Finninnen trafen zwar nicht, gaben ihren Gegnerinnen aber keine Gelegenheit, ihre Torfrau zugunsten einer weiteren Feldspielerin vom Eis zu nehmen.

Ohne Alina Müller fiel es dem Team im Turnier vor allem in der Offensive schwer, auch wenn der Kader zum Beispiel mit Lara Stalder, Phoebe Stänz, Noemi Ryhner, Dominique Rüegg und der bei ihrem WM-Debut erfrischend unbekümmert aufspielenden Laura Zimmermann Stürmerinnen mit internationaler Qualität besitzt. Andererseits waren die meisten Gegnerinnen alles andere als Leichtgewichte. Positiv festzuhalten bleibt die über weite Strecken starke Goalie-Performance von Andrea Brändli und Saskia Maurer, eine insgesamt recht stabile Defensive. Vor allem aber der Kampf- und Teamgeist und dass die junge Auswahl sich von Rückschlägen nie entmutigen ließ, machen nicht nur Mut für die Olympischen Spiele, sondern die Zukunft überhaupt.


Laura_Zimmermann.jpg

Bei aller Enttäuschung nach dem Bronzespiel: Insgesamt ein starkes WM-Debut von Laura Zimmermann       (Screenshot: SRF)

Finnland - Schweiz 3:1 (1:0, 2:1, 0:0)

Tore:
1:0 (01:39) T. Niskanen (J. Liikala)
2:0 (20:54) E. Viitasuo (J. Liikala, T. Niskanen)
2:1 (23:35) L. Stalder (P. Stänz)
3:1 (38:13) P. Nieminen (M. Karvinen, S. Tapani)

Strafminuten:
Finnland 2 (0/2/0), Schweiz 8 (0/4/4)

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