Statements zur Niederlage der Schweiz im WM-Bronzespiel von Evelina Raselli, Lara Stalder und Colin Muller

01 September 2021
Evelina Raselli und Lara Stalder (vlnr) Screenshot Pressekonferenz

(Tim Sinzenich) Nach der 3:1-Niederlage der Frauen-Nati im Spiel um Bronze gegen Finnland haben wir mit Lara Stalder, Evelina Raselli und Coach Colin Muller gesprochen.

Woran hat es heute gelegen? Waren es eher Kleinigkeiten, die das Spiel entschieden haben?
Lara Stalder:
Im Vergleich zum Vorrundenspiel haben wir besser dagegengehalten. Es waren Kleinigkeiten, die das Spiel am Schluss entscheiden. Unser Powerplay war ziemlich gut, aber schlussendlich müssen wir einfach mehr Tore schießen. Wir hatten Chancen, wir müssen sie reintun.

Wie fällt Eure Bilanz des Turniers aus, wenige Minuten nach dem Ende?
Evelina Raselli:
Ich glaube das müssen wir in ein paar Tagen mal richtig anschauen. Im Moment sind wir sicher da enttäuscht, dass das Spiel jetzt so ausgegangen ist. Wir wollten heute unbedingt eine Medaille. Ich glaube wir haben schlussendlich das wichtigste Spiel gewonnen im Viertelfinale, aber für weiteres weiß ich es gerade auch nicht.

Wenn wir Euch die gleiche Frage in einigen Woche nochmal stellen würden, kämen dann die positiven Dinge mehr in den Fokus wie Eure Leidenschaft, Euer Kampf- und Teamgeist und dass Ihr nicht eine Sekunde aufgesteckt habt?
Lara Stalder:
Ja, sicher das. Und wir hatten super Torhüterinnen. Sie haben uns Vertrauen geschenkt, dass wir auch gegen große Gegner dagegenhalten können. Die Leidenschaft und die Emotionen, von dem leben wir. Ich meine, wir verdienen unser Geld nicht oder großes Geld mit dem Eishockey. Es ist die pure Leidenschaft, und jeder gibt viel auf dafür. Aber genau für diese Momente, wenn Du etwas zusammen feiern kannst wie einen Sieg mit vielen Emotionen... Wir wissen auch, dass wir dann am besten spielen, wenn alle Emotionen dort sind und jede Kampfgeist zeigt. Und auf solche Sachen müssen wir aufbauen, weil wir das in jedem Shift zeigen müssen, jede Minute, in jedem Spiel gegen große Gegner. Und nur dann ist es möglich.

Glaubt Ihr dennoch, dass dieses Turnier einen Fortschritt für das Schweizer Fraueneishockey darstellt?
Lara Stalder:
Ich denke so mit den Medien ist es vielleicht ein Fortschritt, dass viel in den Medien gekommen ist und vielleicht junge Mädchen das sehen, dass mehr Mädchen anfangen mit dem Eishockey. Es war unser Ziel, in der Topgruppe zu bleiben. Wir waren so nah an einer Medaille und genau solche Sachen sollten Ansporn geben für die Olympiade.

Colin, Ihr hattet zweimal um eine Medaille mitgespielt, leider hat es beide Male nicht gereicht. Was hast Du dem Team nach dem Spiel in der Kabine vermitteln und auf den Weg geben wollen?
Colin Muller:
Ich habe heute gesagt, dass sie alles gegeben haben für ihre Chance auf eine Medaille. Die Schiedsrichter haben zwei wirklich sehr kleine Strafen gegeben, die eigentlich nicht hätten sein müssen. Sie ließen alles gehen mit Körperkontakt, aber Strafen für zu viele Spielerinnen, das ist für mich unverständlich in so einem Spiel. Aber sie haben gekämpft, sie haben Emotionen gehabt. Gestern in dem Spiel gegen Kanada haben wir dies nicht gehabt. Ich habe gesagt wenn sie heute mit Leidenschaft und Emotionen spielen, dann ist alles möglich in einem Spiel. Und das müssen sie mitnehmen, auf diesem Niveau muss man immer alles mitnehmen und bringen in jedem Spiel. Und man kann nicht gegen Top-Mannschaften ohne Leidenschaft und Emotion spielen, das geht nicht. Auch mit einem guten System (allein) kannst Du nicht mithalten.

Wo hat das Team Fortschritte im Turnier gemacht und wo siehst Du noch Optimierungspotenzial?
Colin Muller:
Ja, ich glaube wie wir gekämpft haben und alles gegeben haben. Von sieben Matches haben wir wirklich auf diesem Niveau gut gekämpft. Und mit wenig Leuten, die auf diesem Niveau spielen können.
Wir müssen die Scheibe schneller lesen und nicht warten bis wir die Scheibe haben zum Reagieren. Wir müssen schon voraussehen, „was kommt als nächstes?“ oder „wo soll ich die Scheibe spielen?“. Das fehlt uns in der Praxis, dass wir nicht gewohnt sind, auf diesem hohen Niveau mit diesem hohen Druck zu spielen.

Aus der deutschen Perspektive hat diese WM einen sehr hohen Stellenwert für die Olympia-Qualifikation im November, weil sie kurz davor stattgefunden hat. Ihr seid bereits für die Olympischen Spiele qualifiziert. Hat diese späte WM durch die Verschiebung auch für Euch eine andere Aussagekraft im Hinblick auf Olympia 2022 als frühere Weltmeisterschaften?
Colin Muller:
Ich liebe diese August-WM! Ich finde es auch für die Olympischen Spiele sehr gut, dass wir jetzt ein großes Turnier gehabt haben. Ich finde auch für das ganze Fraueneishockey ist es ein guter Zeitpunkt, ein Turnier zu haben, wenn die ganze Welt kein Eishockey hat. Und für uns bleibt es frisch im Kopf, bis wir in die Olympischen Spiele gehen, und ich glaube, das hilft uns sicher.

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