Interview mit Nationalstürmerin Resi Wagner - Teil 2: "Wir versuchen aus jedem Spiel etwas mitzunehmen"

09 September 2021

(Tim Sinzenich) Nach dem ersten Teil unseres Interviews mit Nationalstürmerin Resi Wagner (ERC Ingolstadt Frauen) spannt Resi in Teil 2 den Bogen von den beiden letzten Spielen, dem Viertelfinale gegen Kanada und dem Plazierungsspiel gegen Russland, zur Olympia-Qualifikation.

Wie bewertest Du Eure beiden letzten Spiele gegen Kanada und Russland?

Resi Wagner: Gegen Kanada zu spielen ist auch so schon knackig. Aber jetzt nur noch drei Reihen, das war schon nochmal eine andere Hausnummer. Aber wir haben nicht eine Sekunde aufgehört zu kämpfen, jede von uns hat alles gegeben. Dass der Körper irgendwann müde ist, gerade auch gegen solche Gegner, bei einem solch dezimierten Kader, da kann uns glaube ich auch keiner einen Vorwurf machen. Ich finde für das haben wir es noch gut gemacht. Zum Russland-Spiel: Ich finde wir waren klar besser und hätten es auch verdient gehabt, das Spiel zu gewinnen, es ist dann unglücklich gelaufen. Ich habe das noch nicht ganz verarbeitet und ärgere mich nach wie vor darüber, dass wir das Spiel noch 3:2 verloren haben. Denn ich hätte es den Mädels und der ganzen Mannschaft gegönnt, wenn wir das Spiel gewonnen hätten, aber manchmal ist das halt so im Sport, das kann man nicht ändern.

Ist es anstrengender, gegen einen Gegner wie Kanada zu spielen, der Euch und auch andere Länder einschnürt im Vergleich zu einem gleich starken Gegner? Von der Bewegung her bleibt man, sehr platt formuliert, gegen Kanada „nur“ im eigenen Drittel, legt weniger Strecke zurück als wenn es hin und her geht. Andererseits steht man permanent unter Druck.

Resi Wagner: Das Kanada-Spiel war schon sehr kräftezehrend und anstrengend, wenn man jetzt mal blöd gesagt zwar nicht viel nach vorne gelaufen ist. Aber wenn man dann teilweise 2-Minuten-Wechsel hat, weil man nicht aus dem eigenen Drittel rauskommt, dann wird es auch irgendwann anstrengend. Wobei ich finde, dass das eigentlich eine andere Art von Anstrengung ist. Ich fand zum Beispiel das Spiel gegen die Tschechinnen wahnsinnig intensiv und anstrengend, einfach weil man da jemanden auf Augenhöhe hat. Und weil Du nicht nur hinten drin stehst, sondern Dir auch nach vorne Chancen erarbeitest, und dann ständig vor und zurück, vor und zurück... Deswegen finde ich ist das eine andere Art von Anstrengung.

Ist die Anstrengung im Kopf vergleichbar, weil man immer unheimlich reaktionsschnell sein muss, und so ein Gegner wie Kanada einem eigentlich keine Gelegenheit gibt, zumindest mal kurz Luft zu holen.

Resi Wagner: Ja klar ist es für den Kopf auch anstrengend, vor allem weil man jetzt doch schon eine ganze Weile hier ist. Auch unter den gegebenen Umständen war das wahnsinnig anstrengend für den Kopf. Aber ich finde, dass wir das eigentlich ganz gut gelöst haben. Dass jeder versucht hat, in seiner Linie zu bleiben.

Niederlagen sind immer bitter. Aber ist es trotz der Niederlagen so, dass es nach all den Entbehrungen und Rückschlägen der letzten anderthalb Jahre wie der ausgefallenen und verschobenen WM, eine tolle Sache war, wieder auf einem solch hohen Level Eishockey spielen zu können?

Resi Wagner: Für mich persönlich auf jeden Fall. Ich hätte gerne noch mehr Spiele auf internationalem Niveau gehabt, weil man das mit den Spielen der Liga nicht vergleichen kann. Aber wir waren glaube ich alle froh, dass die WM überhaupt stattfindet und dass wir das Turnier einfach spielen konnten, unter den Gegebenheiten, Stichwort Quarantäne. Deswegen war die Vorfreude bei mir größer als alles andere.

Viele Spiele fanden nicht statt. Wir hatten das Glück, dass wir im Frühjahr die Spiele gegen die Schweiz machen konnten. Ich glaube aber, dass alle Nationen da tatsächlich in einem Boot sitzen. Bei uns war zumindest noch der Ligabetrieb einigermaßen so wie er immer war. Und ich weiß nicht, ob das bei den anderen Nationen auch der Fall mit dem war und wie es aich da mit internationalen Spielen verhalten hat.

Und ist es so, dass ein Top-Team wie Kanada einem, wenn auch brutal, aufzeigt wo Punkte sind, wo man sich noch verbessern kann?

Resi Wagner: Egal wer der Gegner ist, wir versuchen aus jedem Spiel etwas mitzunehmen. Bei Spielen wie gegen Kanada versucht man in erster Linie so wenig Tore wie möglich zu kassieren (lacht), aber ich finde, dass man selbst bei solchen Spielen viel lernen, viel mitnehmen kann. Einfach diese Standards, wo man versucht hinzukommen. Und es nützt ja nichts, wenn man immer gegen „schwächere Gegner“ spielt, die einem – nicht böse gemeint - vielleicht nicht ganz so viel abverlangen. Aber gegen solche starken Gegner merkt man noch mehr, woran man arbeiten muss.

Wie geht es jetzt weiter? Könnt Ihr ein bisschen ausspannen oder geht es nahtlos mit dem Training für die Olympia-Qualifikation weiter?

Resi Wagner: Ich glaube mein größtes Problem wird sein, den Jetlag zu überwinden (lacht). Wir haben jetzt schon ein bisschen Pause. Wenn ich es gerade richtig im Kopf habe, treffen wir Sportsoldatinnen uns Ende September zur ersten Zentralisierung in Füssen. Viel Zeit zum Regenerieren bleibt im Prinzip nicht, weil dann schon der EWHL-Supercup losgeht und Ende September bereits die Bundesliga. Die Mannschaften sind schon länger in der Vorbereitung ohne die ganzen Nationalspielerinnen. Das wird eine harte Saison, das ist uns allen bewusst, aber ich mache mir da keine Gedanken.

Vielen Dank, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast und alles Gute für die kommende Saison!

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