Olympia-Gegnercheck: Alles Wichtige zum Frauen-Team aus Frankreich

Die französische Frauen-Nationalmannschaft feiert bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina eine historische Premiere: Erstmals überhaupt nimmt Frankreich am olympischen Eishockeyturnier der Frauen teil.
Während Deutschland, Schweden und Japan als Favoriten auf die Viertelfinalplätze gelten, müssen Frankreich und Italien für ein Weiterkommen mindestens einen der Topfavoriten überraschen und das direkte Duell gewinnen. Unabhängig vom sportlichen Abschneiden ist die Olympiateilnahme ein bedeutender Schritt für die Weiterentwicklung des Frauen-Eishockeys in Frankreich. Aktuell belegt Frankreich Rang 14 der IIHF-Weltrangliste.
Schlüsselspielerinnen / Players to Watch
Die Hoffnungen Frankreichs ruhen vor allem auf einem erfahrenen Offensivkern. Estelle Duvin gilt als herausragende Allround-Spielerin des Teams und übernimmt sowohl spielerisch als auch führungstechnisch eine zentrale Rolle. An ihrer Seite stehen Clara Rozier, Chloé Aurard-Bushee und Lore Baudrit. Aurard-Bushee bringt wertvolle internationale Erfahrung aus mehreren Spielzeiten auf höchstem Niveau mit, unter anderem aus der PWHL, und ist es gewohnt, gegen Topspielerinnen anzutreten. Dieses Quartett kann jeder Mannschaft in Gruppe B Probleme bereiten, auch wenn der Großteil der Spielerinnen in vergleichsweise schwächeren europäischen Ligen aktiv ist.
Im Tor setzt Frankreich auf Alice Philbert, die bei den Olympischen Spielen erst ihr zweites bedeutsames internationales Turnier bestreitet. Die in Québec ausgebildete Torhüterin spielte fünf Jahre an der Concordia University, wurde zweimal ins RSEQ (Réseau du sport étudiant du Québec/Hochschul- und Universitätssportverband der Provinz Québec) All-Star-Team gewählt und sammelte anschließend Erfahrung im Männer-Eishockey in Frankreich. In der laufenden Saison überzeugte sie in der EWHL bei den EV Bozen Eagles mit konstant starken Leistungen. Für ein konkurrenzfähiges Auftreten Frankreichs wird Philbert nahezu fehlerfrei spielen müssen, gilt aber als beste Torhüterin, die Frankreich seit Jahren bieten konnte.
Für zusätzliche Impulse soll die nächste Spielergeneration sorgen. Mit Jade Barbirati und Manon Le Scodan schafften zwei Talente in dieser Saison den Sprung in die NCAA und überzeugten dort früh. Le Scodan erzielte als Rookie für die Clarkson University 26 Punkte in 28 Spielen, bevor sie zu den Olympischen Spielen abreiste, und besitzt das Potenzial, zur Unterschiedsspielerin zu werden. Ergänzt wird dieser Jahrgang durch Julia Mesplède sowie die erst 17-jährige Clémence Boudine, die dem Kader zusätzliche Geschwindigkeit und Kreativität verleihen.
Die größte Herausforderung für Frankreich liegt in der Defensive. Die Abwehr verfügt weder über die Tiefe noch über die internationale Erfahrung, um dauerhaft mit den offensivstärksten Nationen des Turniers mitzuhalten. Gabrielle De Serres und Margot Huot-Marchand sind die erfahrensten Verteidigerinnen, spielten bislang jedoch überwiegend in Ligen ohne regelmäßige Begegnungen mit Weltklassespielerinnen. Zwar stehen auch Akteurinnen aus der NCAA und den kanadischen Universitätsligen im Kader, doch erhält aktuell nur Lucie Quarto (Lindenwood University/NCAA) konstant Eiszeit auf höherem Niveau. Gegen Topoffensiven wird Frankreich daher stark auf mannschaftliche Geschlossenheit angewiesen sein.
Einordnung und Ausblick auf das Duell mit Deutschland
Besondere Brisanz erhält das Duell mit Deutschland durch mehrere personelle Überschneidungen: Léa Villiot und Lore Baudrit, beide aktuell in Ingolstadt aktiv, treffen auf aktuelle und ehemalige Teamkolleginnen wie Celina Haider, Katharina Häckelsmiller und Lisa Hemmerle sowie auf zahlreiche Konkurrentinnen aus der Deutschen Frauen-Eishockey-Liga (DFEL).
Die jüngsten direkten Vergleiche sprechen klar für Deutschland. Beim Deutschland Cup 2025 in Landshut unterlag Frankreich mit 2:3 nach Penaltyschießen, 2024 setzte es ein 1:4. Bereits 2023 trafen beide Teams in der WM-Topdivision aufeinander, wo Deutschland einen souveränen 3:0-Erfolg feierte. Frankreich war zuvor 2019 trotz eines 3:2-Overtime-Sieges gegen Deutschland aus der Topdivision abgestiegen.
Für Frankreich geht es bei den Olympischen Spielen vor allem darum, sich auf höchstem Niveau zu präsentieren und wertvolle Erfahrung zu sammeln. Gegen Deutschland wird das Team versuchen, mit Tempo, Einsatz und einzelnen Nadelstichen aus dem erfahrenen Offensivkern dagegenzuhalten. Für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft gilt es hingegen, die Favoritenrolle konsequent anzunehmen, strukturiert zu spielen und die defensiven Schwächen der Französinnen frühzeitig auszunutzen.
Bericht: PM DEB
Foto (Archivbild Deutschland-Cup, 07.11.2025): DEB / City-Press GmbH
Weitere aktuelle Beiträge
Olympia 2026: Frauen-Eishockeymannschaft gewinnt nach Verlängerung gegen Frankreich
Im dritten Spiel des olympischen Eishockeyturniers in Mailand hat die deutsche Frauen-Eishockeymannschaft gegen Frankreich gewonnen. Das Team von Frauen-Bundestrainer Jeff MacLeod siegte vor 3.632 Zuschauern in der Milano Rho Ice Hockey Arena mit 2:1 (1:0, 0:0, 0:1,...
Aktuell | Schnell | Kompetent
eishockey-online.com
Frauen-Eishockey
- Frauen Nationalmannschaft A
- U18 Frauen Nationalmannschaft
- Internationales Fraueneishockey
- Interviews
- Videos (Streaming, etc.)
- Frauenbundesliga
- EWHL (Europaliga)