Schweiz ringt Kanada historisch knappes 2:1 ab und spielt um Bronze

Feb. 17, 2026 | Nationalmannschaft CH

Wieder hat es nicht sollen sein, dass die Frauen-Nati ein Spiel gegen Kanada gewinnt. Aber sie brachte die Großmacht einen Moment ins Wanken, musste sich erstmals mit nur einem Tor Unterschied geschlagen geben. Mit dieser starken Leistung konnten die Spielerinnen erhobenen Hauptes und selbstbewusst das Eis verlassen, ohne überheblich zu wirken. Am Donnerstag folgt das Duell um Bronze gegen Schweden.

Wer einen permanenten kanadischen Sturmlauf auf das Schweizer Tor erwartet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Die ersten Minuten glichen mehr einem vorsichtigen Abtasten. Das erste Mal tauchte Laura Stacey vor Andrea Brändli in der vierten Minute auf, welche Colin Muller nach dem Viertelfinale wieder nominiert hatte. Ab der siebten Minute drehte Kanada etwas auf, auch die Schweiz traute sich etwas mehr in die kanadische Zone, vernachlässigte dabei nicht die Defensive.

Nach knapp der Hälfte des Drittels zog Kanada eine 2-Minuten-Strafe, die Frauen-Nati konnte daraus kein Kapital schlagen. Im Gegenteil: Es schlichen sich kleine Unkonzentriertheiten ein, welche das Pendel mehr in Richtung Maple Leafs ausschlagen ließen. Zielte Renata Fast noch am Tor vorbei (14.), wurde es in der 17. Minute brenzlig, als die Scheibe im Torraum zwischen Torlinie und Brändlis Rücken die Seite wechselte. Ein Schuss von Emily Clark in der 18. Minute wurde im Getümmel vor dem Tor an den Pfosten abgelenkt. Getümmel gab es auch in der letzten Drittelminute, doch das 0:0 hatte Bestand. 13:1 Schüsse lautete die Torschussstatistik zur ersten Pausensirene.

Marie-Philip Poulin forderte Brändli gleich zweimal kurz nach Beginn des Mittelabschnitts, der dritte Versuch war erfolgreich. Ihr Schuss prallte von Naemi Herzig ab, wurde aufs Eis abgelenkt und von dort ins Tor (22.).

Kanada legte an Tempo zu, der Schweiz gelangen zwei weitere Torschüsse. Das nächste Tor sollte wieder für die Ahornblätter fallen, erneut Veteranin und Kapitänin Poulin, die nach einem Rebound abstaubte (29.). Für sie waren es historische Treffer. Lag sie im ersten Drittel noch im ewigen Ranking der olympischen Torschützinnen auf Rang zwei, so egalisierte und übertraf sie die bisherige 18-Tore-Bestmarke von Hayley Wickenheiser.

Die ersten 30 Minuten waren fast abgelaufen, als Daryl Watts Brändli prüfte, gefolgt von Ella Shelton per Bauerntrick, beide erfolglos. Gefährlich wurde es mehrfach auch in der 32. Minute. Und Poulin mischte mit, fing sich nach einem Bandencheck eine zweiminütige Auszeit ein. Wie zuvor kein guter Start ins Schweizer Powerplay, Nicole Vallario rettete bei einem kanadischen 2-auf-1-Vorstoß.

Die Frauen-Nati kämpfte, das Spiel wurde von kanadischer Seite ruppiger und hitziger. Die Konsequenz: die nächste Strafe für Kanada, nach nur einer Sekunde Gleichzahl. Die Nordamerikanerinnen musste man sowohl für Kontergefahr als auch ihr konsequentes Forechecking auf dem Zettel haben, was der Frauen-Nati Probleme bereitete. Die erste kanadische Überzahl (38.) wiederum bestanden die Eisgenossinnen unbeschadet.

Kanada setzte seinen Druck fort, doch die Schweiz antwortete mit Forechecking, störte den kanadischen Aufbau und belohnte sich mit dem Anschlusstreffer. Alina Müller passte hinter dem Tor mustergültig auf die allein vors Tor preschende Rahel Enzler, die einschob (45.). Der Anschluss verschaffte den Schweizerinnern Selbstbewusstsein, die Kanadierinnen wirkten etwas nervös und leisteten sich Icings. Das Powerbreak kam für Kanada gerade richtig, mit einem langen Pass wurde anschließend Blayre Turnbull bedient und scheiterte allein vor Brändli.

Dennoch eine insgesamt solide Defensive im letzten Drittel, und im Zweifel der Trumpf Andrea Brändli. Diesen zog Colin Muller gut zwei Minuten vor dem Ende, doch eine Strafe gegen die Schweiz vereitelte den Plan, sich doch noch in die Verlängerung zu schießen.

Am Ende bleibt eine große Leistung der Frauen-Nati in den olympischen Statistiken gespeichert. Das Prunkstück einmal mehr die Defensive und im Tor, die Offensive nach wie vor ausbaufähig, aber auch hier ist eine Steigerung erkennbar. Der Weg stimmt weiterhin!
Somit stehen spannende Duelle um die Medaillen an. Wird Kanada im Finale gegen die USA zulegen können?
Wie 2014 unterliegt die Frauen-Nati gegen die Ahornblätter im Halbfinale und trifft im Spiel um Bronze auf Schweden. Wie es 2014 ausging, ist bekannt. Am Donnerstag ab 14:40 wird sich zeigen, ob die Schweizerinnen wieder einen langersehnten Coup landen können.

16.02.2026, Kanada – Schweiz 2:1 (0:0, 2:0, 0:0)

Tore:
1:0 (21:49) #29 Marie-Philip Poulin (#2 Sophie Jacques, #95 Daryl Watts)
2:0 (28:21) #29 Marie-Philip Poulin (#95 Daryl Watts, #17 Ella Shelton)
2:1 (44:53) #21 Rahel Enzler (#25 Alina Müller)

Strafminuten:
Kanada 6, Schweiz 4

Bericht: TIm Sinzenich
Foto (Archivbild WM, 11.04.2025) Tim Sinzenich

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