Frauen-Nati erobert nach großem Kampf zwei Punkte bei ihrem Olympia-Auftakt gegen Tschechien

Ihren schwachen Start machte die Frauen-Nati schnell wett, belohnte sich nach zahlreichen Chancen im Mitteldrittel (noch) nicht. Nach dem dritten Gegentor im Schlussdrittel stellten die Eisgenossinnen aber die Weichen auf Sieg, für den es noch eine packende Overtime und ein an die Nerven gehendes Penaltyschießen brauchte.
Die Schweizerinnen konnten es kaum erwarten, den nächsten Anlauf auf die langersehnte Bronzemedaille zu beginnen, doch die forsch aufs Tor drängenden Tschechinnen verpassten ihnen nach nur 92 Sekunden den ersten kleinen Dämpfer, als Kristyna Kaltounkova einen Abpraller nutzte.
Die Frauen-Nati schüttelte sich kurz und nahm olympisches Tempo und Intensität an, dies mündete in einer guten Chance für Rahel Enzler (4.). Die 8. Minute brachte eine gute Gelegenheit für die Gegenseite, doch kurz darauf störte Laura Zimmermann den Aufbau, eroberte sich den Puck und versenkte ihn entschlossen mit strammem Schuss zum Ausgleich.
Die Freude der Frauen-Nati währte nur kurz, denn auch Tschechien störte an der Bande einen Schweizer Aufbau. Adela Sapovalivova legte für die allein vor dem Tor stehende Kristyna Kaltounkova für die erneute Führung auf (9.).
Tore fielen im ersten Drittel zwar keine mehr, aber einige Gelegenheiten bekam das Publikum weiterhin geboten. Aneta Tejralovas Alleingang parierte Saskia Maurer, die größte Chance hatte aber Alina Müller. In der letzten Minute nach präzisem Pass der schnell vorstoßenden Lara Stalder brachte sie zwar nicht die Anzeigetafel, aber den Pfosten zum Vibrieren, es hatte nicht viel gefehlt zum erfolgreichen Abschluss dieser sehenswerten Aktion der beiden verbliebenen Bronzemedaillengewinnerinnen von 2014.
Tschechien setzte die Schweiz mit Forechecking gleich zu Beginn des Mittelabschnitts unter Druck, die Antwort der Frauen-Nati: Freimachen und Chancen durch Alina Marti, Naemi Herzig und Lara Stalder. Die Tschechinnen gefährlich in der 25. Minute, doch Maurer parierte mit dem Schoner.
Die Frauen-Nati dominierte das Drittel, Ivana Wey mit einer schönen Einzelaktion (28.) und Lena-Marie-Lutz (29.) versuchten die Dominanz in Zählbares umzuwandeln. Die 31. Minute mit Großchancen für Tschechien – und Ivana Wey im direkten Gegenzug. Und die Schweiz wirkte agiler als die Tschechinnen, Naemi Herzig und Kaleigh Quennec mit schnellem und gefährlichem Vorstoß. Das Schussverhältnis, nach dem ersten Drittel noch mehr als doppelt so hoch auf tschechischer Seite, glich sich zunehmend an. Der Ausgleich lag in der Luft, doch die Tschechinnen einmal mehr mit gefährlichem Forechecking (37.).
Die erste Strafe in einer bislang intensiven, aber fairen Partie fiel gegen Tschechien nach Foul an Herzig gut zwei Minuten vor der zweiten Pausensirene. Lara Stalder, Rahel Enzler und Alina Müller ließen den tschechischen Torraum lichterloh brennen. Mit Ablauf der Überzahl sofort tschechischer Druck, der die erste Schweizer Strafe erzwang, und Katerina Mrazova forderte Saskia Maurer.
Besagte Strafe bedeutete zwei Minuten Schweizer Unterzahl im Schlussdrittel, doch die Eisgenossinnen standen gut und ließen keine gefährlichen Gelegenheiten zu. Diese bekamen die Tschechinnen erst bei Gleichzahl (44., 45.). Man spürte den Druck der Rot-Blauen, die knappe Führung auszubauen, und Teresa Plosova staubte zum für die Schweizerinnen frustrierenden 3:1 ab (47.).
Ivana Weys starker Vorstoß drei Minuten später wurde von Andrea Trnkova mit einem Bandencheck gestoppt, die Tschechin musste zwei Minuten auf die Bank. Wey blieb auf dem Eis für die Überzahl, und dies sollte sich auszahlen. Denn sie legte Lara Stalders Zuspiel durch die Box für Alina Müller auf, welche den Puck zum 3:2-Anschluss eintippte. Endlich wieder ein Powerplay-Tor der Eisgenossinnen auf großer Bühne mit tollem Tic Tac Toe!
Das Tor gab den Weiß-Roten Aufwind, sie drückten auf den Ausgleich und erspielten sich Chance um Chance. Tschechien musste man aber für Konter auf dem Zettel haben. Das erlösende 3:3 erzielte Lara Christen 140 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit von der blauen Linie, indem sie die tschechische Keeperin Michaela Hesova oben anspielte, die Scheibe war außer Kontrolle und kullerte über Hesova ins Gehäuse. Die Tschechinnen wollten die Entscheidung noch erzwingen, doch dank Schweizer Gegenwehr ohne Erfolg.
Mit 3 gegen 3 ging es in eine an den Nerven zehrende Overtime, welche Fans beider Lager einiges bot und zugleich abverlangte. Ihre Auszeit nutzte Tschechiens Head Coach Carla MacLeod noch kurz vor Ablauf der Overtime.
Und nervenzehrend, ja aufreibend sollte es im anschließenden Penaltyschießen werden. An Ladehemmung litten die Stürmernnnen nicht. Den vierten Versuch von Mlynkova parierte Maurer aber stoisch, und die Schweiz vergab mehrmals die Möglichkeit, schon den ersten Durchgang zu entscheiden.
Ladehemmung stellte sich dafür in Runde zwei ein. Sowohl Maurer als auch ihr Gegenüber Hesova parierten die ersten fünf Aktionen souverän. Was folgte, war wie im Drehbuch und Ivana Wey vorbehalten, die ihren starken Auftritt und den ihres Teams am heutigen Tag mit dem umjubelten Siegtreffer krönte.
Eine über weite Strecken überzeugende Vorstellung zeigte die Schweiz, die sich viele Chancen erarbeitete und sich nach einem starken Mitteldrittel nicht mit dem Ausgleich belohnte, aber im Schlussabschnitt nach dem 3:1 Moral und Kampfgeist bewies und den Ausgleich verdientermaßen nachholte. Auch die Tschechinnen unterstrichen mit ihrem starken Spiel ihre Berechtigung, um Bronze mitzureden.
Eine Frage muss die Frauen-Nati aber noch beantworten: Gelingt es, die starke Form auch in den weiteren Spielen beizubehalten? Starke Starts gab es in der Vergangenheit einige, denen allerdings auch ernüchternde Momente folgten. Der weitere Verlauf des olympischen Turniers wird es zeigen, insbesondere das in der Topgruppe traditionell bereits sichere Viertelfinale.
06.02.2026 Tschechien – Schweiz 3:4 N. P. (2:1, 0:0, 1:2, 0:0, 0:1)
Tore:
1:0 (01:32) #98 Kristyna Kaltounkova (#3 Adela Sapovalivova, #12 Klara Hymlarova)
1:1 (07:16) #11 Laura Zimmermann
2:1 (08:33) #19 Natalie Mlynkova (#16 Katerina Mrazova)
3:1 (46:09) #22 Tereza Plosova
3:2 (49:33) #25 Alina Müller (#13 Ivana Wey, #7 Lara Stalder)
3:3 (57:40) #17 Lara Christen (#21 Rahel Enzler, #25 Alina Müller)
3:4 (65:00) #13 Ivana Wey
Strafminuten:
Tschechien 4 – Schweiz 2
Bericht: Tim Sinzenich
Foto (Archivbild WM, 17.04.2025): Tim Sinzenich
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