Schweiz erkämpft sich in der Verlängerung zweite olympische Bronzemedaille nach 2014

Feb. 19, 2026 | Nationalmannschaft CH

In einem Krimi mit starker Defensivarbeit auf beiden Seiten wird die Frauen-Nati ihrer leichten Favoritenrolle gerecht und besiegt Schweden in der Overtime. Nach 2014 wird wieder olympische Fraueneishockey-Geschichte in der Schweiz geschrieben.

Die Schwedinnen starteten offensiver ins Spiel und hatten somit mehr Anteile. Die Frauen-Nati wurde nach einigen Minuten ebenfalls angriffslustiger. Dennoch waren beide Teams umsichtig unterwegs, es gab wenige wirklich gefährliche offensive Momente, in denen Andrea Brändli oder ihr Gegenüber Ebba Svensson gefordert waren.

Eine Strafe in der 16. Minute brachte den Schweizerinnen eine zweiminütige Überzahl mit der bis dato beste Chance. Nach Zuspiel von Lara Stalder versuchten es Rahel Enzler und im Nachschuss Ivana Wey. Zum Ende des Powerplays musste Nicole Vallario noch hechten, um einen Konter im Alleingang von Ebba Hedqvist zu unterbinden. Nicht nur das 0:0, auch die Torschuss-Statistik von fünf zu acht Schüssen zur Pause zeugten von einer erfolgreichen Defensive auf beiden Seiten.

Genau eine Minute war im Mittelabschnitt gespielt, als die Schweizer Defensive Sara Hjalmarsson vergaß, Brändli rettete. Ein abgelenkter Blueliner von Jenna Raunio verfehlte das Schweizer Tor kurz darauf knapp. Und Schweden hatte weiter mehr vom Spiel. Eine 2-auf-1-Situation konnte Lara Christen gerade noch entschärfen. Doch die Frauen-Nati arbeitete geduldig und lauerte. Ivana Wey zog davon, und wurde per Notbremse gestoppt. Den anschließenden Penalty führte sie selbst aus, doch Svensson machte die Schoner dicht. Lara Stalder preschte bald darauf ebenfalls gefährlich vor, konnte von der schwedischen Defensive noch abgedrängt werden. Die Frauen-Nati drückte zur Spielmitte das schwedische Team in die eigene Zone, doch auch die Damkronorna verstand sich auf die Abwehr.

Etwas aus dem Nichts das erste Tor in der 32. Minute. Mira Jungåker traf zwar noch hörbar das Gestänge, doch ihr Schuss ging vorbei an Brändli, der die Sicht genommen wurde, ins Netz. Vier Minuten später versuchte sich Sinja Leemann gegen mehrere Schwedinnen durchzusetzen, fiel kurz vor dem Torraum hin. Doch sie eroberte sich die Scheibe engagiert zurück. und bewies ihre ganze Schlitzohrigkeit mit einem Pass an die Bande, den Alina Marti aufnahm. Während Marti hinter dem Tor auf die andere Seite kreiste, schlich Leemann sich vors Tor und verwandelte zum Ausgleich (36.).

Im letzten Drittel weitere Chancen durch Lisa Johansson allein, aber aus spitzem Winkel (43.). Alessia Baechler zwang kurz darauf Svensson zu einem Save mit dem Schoner, auch Shannon Sigrist versuchte sich (48.).

Die Schwedinnen zogen ihre zweite Strafe in der 49. Minute, trotz einiger guter Versuche konnte die Frauen-Nati kein Kapital daraus schlagen. Schweden sorgte nach Ablauf für Druck und einigen Tumult und erspielte sich einige Gelegenheiten. Nach dieser etwas passiven Phase nahmen die Eisgenossinnen wieder an Fahrt auf, was unter anderem in einer Großchance für Enzler mündete (47.). Bei noch knapp zweieinhalb Minuten im letzten Drittel die erste Unterzahl für die Schweiz und damit eine brenzlige Phase. Und Schweden zog seine Auszeit. Trotz gefährlicher Schüsse wurde die kritische Phase überstanden. Leoni Balzer erspielte anschließend ein Bully, was zusammen mit Colin Mullers Auszeit eine Verschnaufpause brachte.

Wie es sich für einen Krimi gehört, ging es in die Verlängerung, die regulär zehn Minuten mit 3-gegen-3 gespielt worden wäre. Einen kapitalen Fehler im Aufbau der Schwedinnen konnte Laura Zimmermann nicht bestrafen (63.). Alina Müller und Lara Christen im zweiten Versuch ebenfalls gefährlich (64.). Es dauerte lange bis zu ersten sehr gefährlichen schwedischen Chancen durch Thuvik (66.) und Johansson (67.). Die Schwedinnen bekamen nun ein wenig Auftrieb. Die Schweizerinnen fackelten nicht lange, und Alina Müller und Lara Stalder versuchten es, Müllers Schuss wurde von Sofie Lundin an den Pfosten abgelenkt, es fehlte nicht viel (68.). Im Gegenzug Hjalmarsson (69.).
Die Chancen folgten jetzt Schlag auf Schlag, Wey legte für Müller vor, deren Schuss Svensson parierte. Nicht das erste Mal verlor eben jene Alina Müller – im positiven Sinne – die Geduld und versuchte es wieder mit Ivana Wey im Doppelspiel, die sie ideal bediente und Müller den One-Timer in den olympischen Eishockeyhimmel ermöglichte: Bronze in der letzten Minute!

Die lange Reise der Frauen-Nati seit der legendären Bronzemedaille 2014 hat einen weiteren Höhepunkt gefunden. Nach einigen Rückschlägen und Enttäuschungen, zum Beispiel den verpassten WM-Halbfinals 2024 und 2025, hat sich die geduldige Arbeit von Colin Muller und seinem Team bezahlt gemacht. Die Spielerinnen haben zur richtigen Zeit ihre Leistung abgerufen. Und auch wenn es in der Offensive gerne mehr Tore hätte geben können, galt einmal mehr: Offensive gewinnt Spiele, Defensive Meisterschaften. Großer Respekt gilt auch den unterlegenen und unglücklichen Schwedinnen, welche nicht nur die schwächer besetzte B-Gruppe klar dominierten, sondern gegen Tschechien überraschten und sich teuer verkauften. Nach der Krise vor einigen Jahren haben sich die Schwedinnen aus dieser ebenfalls geduldig herausgearbeitet. Die Zutaten dürften denen des Schweizer Rezepts entsprechen: Geduldige Arbeit, Zielstrebigkeit, ruhiges und pragmatisches Vorgehen, Bodenständigkeit, Teamgeist, gegenseitiges füreinander Einstehen und der Respekt vor den Gegnerinnen, ohne in Ehrfurcht zu erstarren. Nun ist erst einmal Feiern angesagt, die Testspiele in Kaufbeuren und Augsburg im April wirken noch sehr weit weg…

19.02.2026 Schweiz – Schweden 2:1 n. V. (0:0, 1:1, 0:0, 1:0)

Tore:
0:1 (31:40) #7 Mira Jungåker (#8 Hilda Svensson, #23 Thea Johansson)
1:1 (35:40) #22 Sinja Leemann (#28 Alina Marti)
2:1 (69:09) #25 Alina Müller (#13 Ivana Wey, #17 Lara Christen)

Strafminuten:
Schweiz 2, Schweden 4

Bericht: Tim Sinzenich
Foto (Archivbild WM, 19.04.2025)

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