Deutsche Frauen überrollen Schweiz, DEB-Boss Lutz kündigt 100.000 Euro-Finanzspritze für DFEL an

Der DEB-Vorstandsvorsitzende Frank H. Lutz nutzt den Doppelspieltag der deutschen Männer und Frauen in Kaufbeuren, um auf die „strukturellen und finanziellen Probleme in der Deutschen Frauen Eishockey Liga“ aufmerksam zu machen und verkündet: „Wir haben uns als DEB entschieden, die Deutsche Frauen Eishockey Liga mit 100.000 Euro pro Jahr zu unterstützen. Nicht nach dem Gießkannen-Prinzip, dass jeder ein Viertel oder Fünftel davon bekommt, sondern wir werden dafür klare Regeln und Kriterien entwickeln“, so Lutz. Das Vorgehen sei auf „mehrere Jahre“ ausgerichtet, „damit eine Planungssicherheit seitens der Klubs besteht.“ Hauptverantwortlich soll neben dem Ligenleiter Jonas Schwarzfischer die DEB-Leistungssportreferentin der Frauen, Ronja Jenike. Im Interview nennt Jenike, zudem MagentaSport-Expertin, die Schweizer Strukturen als Vorbild: „Bei denen haben die Top-Männerklubs die Frauenklubs angegliedert und übernommen. Dementsprechend haben sie sehr professionelle Bedingungen, auf die die Frauen zurückgreifen können.“
Auf dem Eis verläuft der erste Test seit dem Viertelfinal-Aus bei Olympia für die deutschen Frauen in Kaufbeuren erfreulich: 5:1-Erfolg gegen die Schweiz, immerhin Olympia-Bronze-Gewinnerinnen.
Frank H. Lutz, DEB-Vorstandsvorsitzender, in der 1. Drittelpause über die Bedeutung der WM 2026: „Es hat allein deswegen eine große Wichtigkeit, weil es das letzte WM-Turnier vor unserer eigenen Heim-WM 2027 ist. Nach Olympia und vor der Heim-WM wollen wir uns möglichst gut präsentieren. Wir haben eine neue Mannschaft. Einige der NHL-Spieler werden nicht dabei sein. Das gibt aber auch die Chance für junge Spieler – auch perspektivisch für 2027.“
… über die Doppelspieltage der Männer und Frauen als Ersatz für den Deutschland Cup: „Wir haben den Deutschland Cup zusammen mit den Frauen und Männern immer als sehr schöne Veranstaltung empfunden. Das geht zukünftig nicht mehr, weil die IHF den Terminplan verändert hat. Das betrachte ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil die Frauen jetzt eine Plattform haben, die sie so für ihre Weltmeisterschaft nicht hatten. Weinend, weil wir den Deutschland Cup nicht mehr ausrichten können. Umso mehr ist es wichtig, diese Doppelspieltage zu machen. Es kommt ja auch sehr gut an.“
… wie der Verband die Entwicklung des deutschen Frauen-Eishockeys vorantreiben möchte: „So sehr wir uns über das gute Abschneiden der Frauen, auch bei den Olympischen Spielen, freuen – wir haben weiterhin strukturelle und finanzielle Probleme in der Deutschen Frauen Eishockey Liga. Wir haben mittlerweile nur noch 5 Mannschaften. Da entscheiden häufig wirtschaftliche Faktoren. Wir haben uns als DEB entschieden, die Deutsche Frauen Eishockey Liga mit 100.000 Euro pro Jahr zu unterstützen. Nicht nach dem ‚Gießkannen-Prinzip‘, dass jeder ein Viertel oder Fünftel davon bekommt, sondern wir werden dafür klare Regeln und Kriterien entwickeln. Das machen unsere Leistungsreferentin Frauen, Ronja Jenike, und der Ligenleiter, Jonas Schwarzfischer. Wir werden dann auch nicht nur die Klubs, die ohnehin jetzt schon in der DFEL spielen, fördern, sondern wir wollen die Liga größer werden lassen. Klubs, die im Moment an der Schwelle stehen und es vom Wirtschaftlichen her nicht so ganz packen, sollen einen Anreiz bekommen, den letzten Schritt zu machen, um die Liga zu erweitern. Das ist nicht nur eine einmalige Sache. Wir haben keinen echten Zeitrahmen festgelegt, aber wir wollen das über mehrere Jahre machen, damit eine Planungssicherheit seitens der Klubs besteht. Das ist elementar für die Nationalmannschaft. Wir verlieren in den höheren Altersklassen immer mehr Spielerinnen – einfach, weil es strukturell nicht passt und die Distanzen zu den Klubs zu groß sind. Wir brauchen mehr Klubs in der DFEL.“
Frauen-Bundestrainer Jeff MacLeod über die Leistung seiner jungen Spielerinnen: „Es ist großartig, besonders die neuen Spielerinnen in diesem Umfeld zu sehen. Für einige ist es das erste Mal, da merkt man die Nervosität. Es ist eine großartige Erfahrung für sie. Wir müssen noch ein bisschen an der Struktur arbeiten. Das 2. Spiel wird sich nach der Premiere heute schon anders anfühlen. Vielleicht werden wir ein paar Änderungen vornehmen.“
Ronja Hark über das Gefühl, gegen die Schweiz als deutsche Kapitänin aufzulaufen: „Es ist eine Riesenehre, für die Nationalmannschaft als Kapitänin auf dem Eis zu stehen. Ich vermisse trotzdem die Daria sehr und wünsche sie mir auf dem Eis zurück.“
… über die Integration der jungen Akteurinnen: „Es ist natürlich schön, dass die jungen Spielerinnen den Raum bekommen, sich vor so einer Kulisse und in so einem Rahmen zu präsentieren. Sie haben es gut gemacht. Wir müssen uns noch ein bisschen einspielen, aber wir haben es gut gemacht.“
MagentaSport-Expertin Marie Delarbre über das 5:1: „Es war eine starke Mannschaftsleistung. Es war schön zu sehen, dass die jungen Spielerinnen gut in die Mannschaft integriert wurden und ein starkes Spiel gespielt haben.“
Die aktuell verletzte DEB-Kapitänin Daria Gleißner in der 2. Drittelpause über die deutsche Leistung vor der Kulisse in Kaufbeuren: „Es ist meine Heimatstadt. Ich hätte gerne gespielt, aber ich freue mich, den Mädels zuschauen zu können. Es ist wichtig für das deutsche Frauen-Eishockey, dass junge Spielerinnen die Chance bekommen, sich hier zeigen zu können. Wir müssen nachhaltig arbeiten, der Verband will das auch. Wenn du das Trikot mit dem Adler auf der Brust tragen darfst, dann bist du sehr stolz darauf. Das schweißt nochmal zusammen – auch, wenn eine komplett durchgemischte Mannschaft auf dem Eis steht. Die machen einen super Job zusammen.“
… wie sehr sich das deutsche Frauen-Eishockey in den letzten Jahren entwickelt hat: „Enorm. Damals waren es andere Zeiten, wir wussten: Der Verband muss investieren, wir mussten athletischer werden, um auf dem Level mitspielen zu können. Da hat sich in sehr vielen Bereichen positiv etwas getan. Es ist aber auch noch sehr viel Luft nach oben.“
Ronja Jenike, DEB-Leistungssportreferentin Frauen, über die 3:0-Führung zur 1. Drittelpause: „Es gibt wenig daran auszusetzen. Es ist ein guter Auftakt vor einer tollen Kulisse. Wir haben uns das so erhofft, dass wir mit einer jungen Mannschaft anreisen und uns gut positionieren. Wir haben auf beiden Seiten viele Spielerinnen, die es gar nicht gewohnt sind, vor so einer Kulisse und mit der Medienpräsenz zu spielen.“
… über die neuen Doppelspieltage mit den Männern zusammen in Kaufbeuren und Augsburg: „Über den Deutschland Cup haben wir glücklicherweise die Bühne, die wir uns auf Verbandsebene geschaffen haben, den Mädels gegeben. Diese Leuchtturm-Events haben sich ausgezeichnet, die Spiele sind wahnsinnig gut angenommen worden. Dass so viele Leute am Donnerstagnachmittag im Stadion sind, kennen wir normalerweise so nicht bei Frauenspielen. Deswegen ist es umso schöner, dass der Plan aufgeht und wir die Leistung aufs Eis bringen.“
… inwiefern die Schweiz ein Vorbild für das deutsche Eishockey darstellt: „Wir nehmen uns die schwedische und die Schweizer Liga häufig als Beispiel. Bei denen haben die Top-Männerklubs die Frauenklubs angegliedert und übernommen. Dementsprechend haben sie sehr professionelle Bedingungen, auf die die Frauen zurückgreifen können. Es geht vor allem um mediale Präsenz und Marketing-Maßnahmen, wo die Frauen ‚verhaftet‘ und mitgezogen werden. Das hilft dem Schweizer Eishockey auf der Bühne. Da haben wir noch einen Schritt zu gehen.“
… über den deutschen Nachwuchs: „Da sind wir auf einem sehr guten Stand. Wir haben viele erfolgreiche Mädchen. Das gibt uns Mut und macht Hoffnung, dass wir nur einen kleinen Schritt davon entfernt sind, dass die geförderten Talente in der Nationalmannschaft ankommen und auf der ganz großen Bühne erfolgreich spielen können.“
Bericht: PM MagentaSport (gekürzt)
Foto: Tim Sinzenich
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