Angela Taylor: «Ich möchte uns mehr Zeit geben»

Angela Taylor ist die erste Vollzeit-Trainerin in der PostFinance Women’s League. Die Schottin erzählt, wie sie ihre erste Saison als Headcoach der ZSC Lions erlebt hat und welche Lehren sie daraus gezogen hat.
Gegen Fribourg-Gottéron verpasstet ihr mit einem 1:2 in der Pre-Playoff-Serie ganz knapp die Playoffs – wie schaust Du auf die Saison zurück?Ja, das war leider ein enttäuschender Moment. Wir hätten in den Playoffs sehr gerne gezeigt, was wir alles draufhaben. Trotzdem war es eine gute Saison für uns. Es war ein Jahr des Umbruchs. Dieses hat uns gezeigt, wo wir stehen und woran wir weiterhin arbeiten müssen. Wir hatten sehr viele enge Spiele über die gesamte Saison verteilt. Wenn wir noch etwas effizienter im Abschluss gewesen wären, hätte die Tabelle anders aussehen können. Insgesamt war es erfreulich zu sehen, wie gut wir mit den anderen Teams mithalten konnten.
Worauf kannst Du weiterhin bauen?
Wir waren ein einheitliches Team, das ein strukturiertes und physisches Spiel gespielt hat. Wir haben füreinander gekämpft und gearbeitet. Das hat es den Gegnerinnen nicht leicht gemacht, gegen uns zu spielen.
Es ist auch persönlich Deine erste Saison als Headcoach eines Frauenteams überhaupt – wie war es für Dich in dieser neuen Rolle?
Ich habe zuvor die britische U18-Nationalmannschaft trainiert, aber das ist natürlich nicht zu vergleichen mit diesem Level hier. Ich fand es eine grossartige Erfahrung und bin sehr glücklich und dankbar, diese Gelegenheit bekommen zu haben. Es gibt nicht viele Personen, die von sich behaupten können, eine professionelle Eishockeytrainerin zu sein. Ich nehme viele Erkenntnisse mit und möchte diese in der nächsten Saison in meine Arbeit einfliessen lassen, damit ich weiterhin junge Talente entwickeln kann.
Welche Lehren hast Du gezogen?
Ich möchte meinen Spielerinnen mehr Zeit geben. Wir müssen nicht jedes Spiel gewinnen. Die Teams auf Rang zwei bis sechs sind ziemlich ausgeglichen. Wir sollten uns also Anfangs Saison mehr Zeit geben, um uns zu finden. Damit wir am Ende für die Playoffs bereit sind.
Du bist die erste Vollzeit-Trainerin in der PostFinance Women’s League – macht Dich das auch stolz, eine Vorreiterin zu sein und so einen wichtigen Teil im Fraueneishockey beizutragen?
Ja klar, das ist eine echte Ehre und ein Privileg. Ich denke, es ist die richtige Zeit, um einen Vollzeit-Coach im Fraueneishockey beziehungsweise generell im Frauensport zu engagieren. Ich hoffe, dass alle Klubs in den nächsten Jahren nachziehen werden, weil wir diesen Sport entwickeln müssen.
Angela Taylor besitzt noch einen Vertrag für die nächste Saison. Diskussionen um eine Verlängerung fanden noch nicht statt. Aber die Schottin macht kein Geheimnis daraus, dass sie gerne weiterhin in Zürich bleiben möchte: «Ich hoffe, dass ich weiterhin so gut mit den Spielerinnen arbeiten kann, damit die Entwicklung anhält und die Organisation mich halten möchte.»
Im Sommer stehen nun vor allem die Reflexion, die Vorbereitung und die Planung für die nächste Saison an. Spiele aus der vergangenen Saison werden analysiert und es wird definiert, wer künftig Führungsrollen übernehmen soll, um diese Spielerinnen gezielt darauf auszubilden. Ausserdem wird Taylor zusammen mit Sportchefin Christine Meier neue potenzielle Spielerinnen scouten.
Schauen wir nach vorne: Die letzte Saison galt als Saison des Umbruchs. Welche Erwartungen können die Fans für die kommende Saison haben?
Unsere Fans können natürlich wieder eine sehr enge Saison erwarten. Die ganze Liga verbessert sich stetig. Bei uns haben viele erfahrene Spielerinnen ihre Karriere beendet. Viele junge Spielerinnen werden deshalb den Weg von den GCK Lions in unsere Mannschaft finden. Wir sind uns bewusst, dass diese jungen Talente die ehemaligen Spielerinnen nicht eins zu eins ersetzen können. Aber wir haben auch bereits erfahrene Spielerinnen im Team, die jetzt den nächsten Schritt machen und eine grössere Rolle übernehmen können und müssen. Das ist unser Weg der Entwicklung und wir werden so dem Team eine neue Dynamik geben können. Es bleibt also spannend. Und die Fans können sich auf frische, junge Zürcher Talente freuen.
Wie wichtig sind dabei die Ausländerinnen?
Unsere Imports sind unsere Leaderinnen und können unsere Nachwuchsspielerinnen weiterentwickeln. Deshalb ist es in diesem Jahr besonders wichtig, sehr erfahrene Ausländerinnen im Team zu haben. Letztes Jahr haben wir bis Weihnachten nur mit zwei Ausländerinnen gespielt – bei den anderen Teams standen jeweils vier Import-Spielerinnen auf dem Eis. Das wollen wir diese Saison ändern und von Anfang an auf drei oder vier Imports zählen.
Was sind denn in der neuen Saison die Ziele – sind die bereits definiert?
Natürlich wollen wir wie jedes Jahr um den Titel mitspielen. Aber es ist noch viel zu früh, um offizielle Ziele meinerseits zu veröffentlichen. Ich möchte zuerst das ganze Team auf dem Eis sehen, bevor ich hier eine Prognose wage.
Es ist zwar noch Sommer, doch wie fest freust Du Dich auf die neue Saison?
Die Vorfreude ist gross – auch jetzt schon. Ich denke, es wird eine spannende und lehrreiche Saison geben. Wir werden auch in diesem Jahr eine gute Chance haben, die Playoffs zu erreichen. Auch wenn die Tabelle in der letzten Saison nicht so gut ausgesehen hat, die einzelnen Spiele haben eine andere Sprache gesprochen und auf denen wollen wir für die nächste Saison aufbauen.
Steckbrief
Spitzname: Tayli
Geburtstag: 24. April 1987
Alter: 39-jährig
Geburtsort: Paisley, Schottland
Wohnort: Winkel
Grösse: 181 cm
Gewicht: 78 kg
Funktion: Headcoach ZSC Lions Frauen
Grösste Erfolge: Fünfmal Schweizermeisterin als Spielerin
Bei den ZSC Lions: von 2011-2018 als Spielerin, seit 2025 als Trainerin
Hobbys: Spazieren im Wald, Lesen und Singen
Bericht: PM ZSC Lions Frauen
Foto: ZSC Lions Frauen
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