PWHL-Meisterschaft: „Unbeschreibliches Gefühl, den Cup geholt zu haben“

„Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl“ – Sandra Abstreiter über den Walter Cup-Sieg mit Montréal
Mit dem Gewinn des Walter Cups hat Sandra Abstreiter Eishockeygeschichte geschrieben: Die DEB-Nationaltorhüterin ist die erste deutsche Spielerin, die den Titel in der Professional Women’s Hockey League (PWHL) gewinnen konnte. Im Interview spricht die 27-Jährige über den emotionalen Moment nach dem Finalsieg, die ausgelassenen Feierlichkeiten in Montréal, ihre Rolle als Vorbild für junge Mädchen und ihre Zukunftspläne.
„Da war diese riesige Erlösung“
Ist der Gewinn des Walter Cups schon bei dir angekommen oder dauert das noch ein paar Tage?
Sandra Abstreiter: „Tatsächlich war das das erste Mal in meinem Leben, dass so ein Moment direkt angekommen ist. Wenn ich das zum Beispiel mit der Olympiaqualifikation vergleiche, hat es damals noch etwas gedauert, bis ich das wirklich realisiert habe – vielleicht auch, weil das große Ziel noch vor uns lag. Jetzt hat sich die Spannung über die gesamte Saison bis hin zum Finale aufgebaut. Wir wollten uns am Ende unbedingt belohnen. Und wir haben es ja wirklich fast bis ganz zum Schluss hinausgezögert – wir haben vier von fünf Spielen gebraucht. Diese Erlösung danach war einfach immens. Da realisiert man sofort: ‚Okay, wir haben es wirklich geschafft.‘ Wir waren danach noch ewig lange auf dem Eis, mit ganz viel Medienaufmerksamkeit und allem Drum und Dran Dadurch hatten wir genug Zeit, zu begreifen, dass es jetzt wirklich vorbei ist – aber eben im absolut positiven Sinne. Trotzdem ist es jedes Mal wieder ein unbeschreibliches Gefühl, wenn ich den Pokal sehe.“
Bierduschen, Kabinenparty – Montréal im Ausnahmezustand
Wie habt ihr diesen Sieg gefeiert oder werdet es noch tun?
Sandra Abstreiter: „Direkt nach dem Sieg wurde natürlich ordentlich gefeiert. Erst mal waren wir sehr lange auf dem Eis – da war schon richtig Party angesagt. Danach haben wir uns als Mannschaft in die Kabine zurückgezogen und gefühlt alles unter Wasser gesetzt. Wir haben alles abgehängt, damit unsere Sachen einigermaßen trocken bleiben, und einfach den Moment zusammen genossen. Später ging es zurück ins Hotel, wo viele Freunde und Familienmitglieder gewartet haben. Da haben wir dann am Abend noch weitergefeiert. Und jetzt geht es eigentlich direkt weiter: Viele Bars und Restaurants in Montréal wollen uns unterstützen und mit uns feiern. In Montréal ist Eishockey einfach riesig. Mit den Montréal Canadiens, die aktuell ebenfalls in den Playoffs sind, liegt unglaublich viel Aufmerksamkeit auf dem Sport. Umso besonderer ist es, dass wir schon den ersten Titel nach Montréal holen konnten. Es wird außerdem noch eine Parade geben, aber wann genau, wissen wir aktuell selbst bisher nicht. Gerade entwickelt sich alles noch von Tag zu Tag.“
Nimm uns doch mal mit durch euren Saisonverlauf – wie hat sich das Ganze entwickelt und ab wann hattet ihr das Gefühl: ‚Das kann etwas werden‘?
Sandra Abstreiter: „Bei uns in Montréal wurde von Anfang an von den Coaches und Managern klar vermittelt: Wir sind nicht hier, um einfach nur dabei zu sein – wir sind hier, um zu gewinnen. Natürlich muss sich so etwas erst entwickeln, aber wir hatten relativ früh einen guten Lauf und konnten schon erahnen, dass wir die Playoffs erreichen können. In den Playoffs selbst wurde es dann aber richtig hart, vor allem in der ersten Runde gegen Minnesota. Wir haben wirklich alles durchgestanden: Krankheiten, Verletzungen, Spielerinnen, die zurückgekommen sind. Unsere Kapitänin hat zum Beispiel zum Saisonende viele Spiele verpasst, kam dann aber noch rechtzeitig zurück. Ich glaube, genau das hat uns noch enger zusammengeschweißt. Da hat man gemerkt: Das kann wirklich etwas werden. Und spätestens mit dem Finaleinzug war eigentlich kein Halten mehr. Da hat jede an den Titel geglaubt.“
„Es soll jungen Mädchen zeigen: Es ist möglich“
Du warst die erste deutsche Frau in der PWHL und bist nun auch die erste deutsche Spielerin, die den Walter Cup gewonnen hat – was bedeutet dir das?
Sandra Abstreiter: „Natürlich bedeutet mir das unglaublich viel. Das ist definitiv etwas Besonderes. Aber noch wichtiger ist mir eigentlich, dass diese Aufmerksamkeit auch in Deutschland ankommt – vor allem im Mädchen- und Fraueneishockey. Ich hoffe, dass junge Spielerinnen sehen: Da gibt es Vorbilder, da gibt es einen Weg – und es ist wirklich machbar. Dabei geht es nicht nur um mich. Es gibt auch die anderen deutschen Spielerinnen in der Liga – und hoffentlich werden es in Zukunft noch mehr.“
Sommerpause und Vorfreude auf die Zukunft
Was steht jetzt als Nächstes bei dir an?
Sandra Abstreiter: „Jetzt steht erst mal die langverdiente Sommerpause an. Darauf freue ich mich wirklich sehr. Gleichzeitig freue ich mich aber auch schon extrem auf die kommende Saison.“
Wann, wie und wo startest du in die kommende Spielzeit?
Sandra Abstreiter: „Noch ist nicht ganz klar, wie alles aussehen wird, aber mein Ziel ist definitiv, in der PWHL zu bleiben. Ich bin da sehr positiv eingestellt. Natürlich hoffe ich auch, persönlich noch mehr Spielzeit zu bekommen. Außerdem kommen vier neue Teams in die Liga, was für mich auf jeden Fall eine große Chance ist. Die Gespräche starten Anfang beziehungsweise Mitte Juni. Ich bin Free Agent, das heißt, ich kann mit allen Teams sprechen und bin erst mal offen für alles. Dann schauen wir, was sich ergibt und wo ich am Ende lande. Genau das macht die kommende Zeit jetzt natürlich unglaublich spannend.“
Bericht: PM DEB
Foto (Archivbild 13.12.2025): DEB / City-Press GmbH
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